Sauerteig lernen Schritt für Schritt
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3. Sauerteig richtig aufbewahren
Was bedeutet Sauerteig füttern?
Sauerteig füttern bedeutet: Du gibst deinem Anstellgut regelmäßig frisches Sauerteig füttern bedeutet, einen Teil Anstellgut mit frischem Mehl und Wasser zu mischen. Dadurch bekommen Hefen und Milchsäurebakterien neue Nahrung und können sich weiter vermehren. Das brauchst du für die regelmäßige Pflege und meist auch für die Vorbereitung vor dem Backen.
Die Begriffe „füttern“ und „auffrischen“ werden in Büchern, Rezepten und Backstuben nicht überall gleich verwendet. Häufig meint Auffrischen eine Fütterung, die das Anstellgut vor dem Backen oder nach einer Pause wieder aktiv macht. Ein bestimmtes Verhältnis ist damit nicht automatisch festgelegt. Welche Menge Mehl und Wasser sinnvoll ist, hängt vom Zustand deines ASGs, der Temperatur und deinem Zeitplan ab.
Wichtig ist eine andere Unterscheidung: Das Anstellgut ist die kleine Kultur, die du dauerhaft weiterführst. Der Sauerteig für ein konkretes Brot wird in vielen Rezepten erst mit einer kleinen Menge dieses Anstellguts angesetzt. Wie viel ASG, Mehl, Wasser und Zeit du dafür brauchst, steht im jeweiligen Brotrezept.
Wenn du nur eine kompakte Schrittfolge für eine Auffrischung suchst, findest du sie im Beitrag Sauerteig auffrischen.

Wie oft solltest du Sauerteig füttern?
Wie oft du dein Anstellgut fütterst, hängt vor allem von der Lagertemperatur und deinem Backrhythmus ab. Ein Starter bei Raumtemperatur verbraucht sein Futter schneller als ein Starter im Kühlschrank.
Anstellgut im Kühlschrank
Ich bewahre mein Anstellgut fast immer im Kühlschrank auf. In meiner Routine füttere ich es etwa einmal pro Woche. Wenn ich häufiger backe, ergeben sich die Fütterungen meist automatisch durch die Backvorbereitung.
Ein gesundes, stabiles ASG kann auch eine längere Pause verkraften. Eine feste Haltbarkeit lässt sich trotzdem nicht in Wochen garantieren. Alter der Kultur, Mehl, Kühlschranktemperatur und Reifegrad beim Kühlen spielen zusammen. Schau deshalb zuerst auf Geruch, Oberfläche und Aktivität nach der nächsten Fütterung.
Anstellgut bei Raumtemperatur
Bei dauerhafter Lagerung bei Raumtemperatur braucht dein ASG meist täglich, in warmer Umgebung gegebenenfalls häufiger frisches Futter. Wie schnell es reift, hängt auch vom Verhältnis und der Aktivität ab. Das unterscheidet sich von meiner Kühlschrankroutine: Ich lasse jede Fütterung bei 26 bis 28 °C reifen und stelle den Pflegevorrat anschließend wieder kalt.
Für die nächste Fütterung einer warm weitergeführten Kultur orientierst du dich an der Reife. Lass den Ansatz erst sichtbar aktiv werden, bevor du wieder einen kleinen Teil abnimmst und fütterst. Vollständig eingefallenes ASG mit scharfem, alkoholischem Geruch kann auf Überreife hinweisen. Für meinen Pflegevorrat warte ich nicht bis dahin: Er kommt schon bei knapper Verdopplung zurück in den Kühlschrank.

In welchem Verhältnis fütterst du Sauerteig?
Das Fütterungsverhältnis gibt hier die Gewichtsanteile von Anstellgut, Wasser und Mehl an, in dieser Reihenfolge. 1:2:2 bedeutet 1 Teil ASG, 2 Teile Wasser und 2 Teile Mehl. Bei 20 g ASG sind das 40 g Wasser und 40 g Mehl.
Mehr frisches Mehl und Wasser verlängern bei vergleichbaren Bedingungen meist die Zeit bis zur Reife und verdünnen die Säure, die das alte ASG mitbringt. Eine kleinere Fütterung reift schneller. Wie mild oder kräftig das Ergebnis wird, hängt zusätzlich von Temperatur, Mehl, Festigkeit und Reifegrad ab. Das Verhältnis allein bestimmt den Geschmack nicht.
Tabelle: Fütterungsverhältnisse und Reifezeiten
| Verhältnis ASG : Wasser : Mehl | Reifezeit bei 26–28 °C | So nutze ich es |
|---|---|---|
| 1:1:1 | ca. 2–4 Std. | häufig direkt vor dem Backen oder wenn es schnell gehen muss |
| 1:2:2 | ca. 4–6 Std. | schnelle Fütterung im Alltag |
| 1:3:3 und 1:4:4 | ca. 5–7 Std. | Zwischenverhältnisse für die warme Fütterung |
| 1:5:5 | ca. 6–8 Std. | bevorzugt für die längerfristige Pflege mit mehr frischem Futter |
Die Zeiten gelten als Orientierung für ein aktives, gut gepflegtes Anstellgut bei 26 bis 28 °C. Wie schnell es reift, hängt auch von seiner bisherigen Pflege, der tatsächlichen Temperatur und dem verwendeten Mehl ab. Nach einer längeren Fütterungspause kann es mehr Zeit brauchen. Mein wichtigster Maßstab ist, dass sich das Anstellgut im passenden Zeitfenster mindestens verdoppelt und noch nicht eingefallen ist.
Die Zeit beginnt mit dem Mischen; das vorherige Anwärmen kommt hinzu. Die Angaben für 1:1:1, 1:2:2 und 1:5:5 stammen aus meinem Buch. Für 1:3:3 und 1:4:4 ergänze ich einen gemeinsamen, groben Praxisrichtwert. Die Tabelle nennt keine garantierten Zeiten bis zum Peak. Braucht dein ASG bei passender Temperatur deutlich länger bis zur Verdopplung, prüfe seine Aktivität, bevor du dich auf den Zeitplan eines hefefreien Brotes verlässt.erdoppelt. Braucht es deutlich länger, prüfe Temperatur und Aktivität. Eine Verdopplung irgendwann am nächsten Tag sagt wenig darüber aus, ob dein Starter schon für den Zeitplan eines hefefreien Brotes bereit ist.
Welches Verhältnis passt zu deinem Ablauf?
Vor dem Backen nutze ich sehr oft 1:1:1 für einen milden, aktiven und triebstarken Sauerteig. Dazu führe ich ihn warm und verwende ihn rechtzeitig reif. Für die dauerhafte Pflege wähle ich lieber mehr frisches Futter.
Im Alltag nehme ich gern 1:2:2, weil mein ASG damit schnell reift und bei meiner warmen Führung mild bleibt.
Auf längere Sicht versuche ich, mit 1:5:5 zu pflegen. Bezogen auf das alte Anstellgut bekommt der neue Ansatz damit mehr frisches Mehl und Wasser. Das verdünnt zunächst auch die mitgebrachte Säure.
Auch 1:3:3 und 1:4:4 passen dazwischen. Plane bei 26 bis 28 °C grob 5 bis 7 Stunden ein und beobachte die Verdopplung.
Größere Fütterungsverhältnisse wie 1:10:10 nutze ich eher für den Sauerteig eines konkreten Brotrezepts. Bei meinem Mischbrot mit Sauerteig findest du drei Führungsvarianten. Die Übernachtvariante arbeitet mit 1:15:15 und reift etwa 10 bis 12 Stunden bei einer Temperatur, die auf etwa 22 °C fällt. Halte dich dabei an die Angaben im Brotrezept.

Welches Mehl eignet sich zum Sauerteig füttern?
Für eine gut nachvollziehbare Routine fütterst du dein ASG mit derselben Getreideart, mit der du es führst. So kannst du Veränderungen bei Reifezeit und Konsistenz besser einschätzen.
- Roggensauerteig: Roggenmehl, zum Beispiel Type 1150 oder Vollkorn
- Weizensauerteig: Weizenmehl, zum Beispiel Type 550, 1050, T65 oder T80
- Dinkelsauerteig: Dinkelmehl, zum Beispiel Type 630 oder 1050
Ich verwende gern Bio-Roggenmehl Type 1150, französisches Weizenmehl T80 und für Dinkelsauerteig Bio-Dinkelmehl Type 630 oder 1050. Helles Mehl passt zu meiner milden Führung. Vollkornmehl bringt mehr Mineralstoffe mit und kann die Aktivität unterstützen; der Geschmack hängt weiterhin von der gesamten Führung ab. Bei französischen Mehlen achte ich auf Sorten ohne zugesetzte technische Enzyme.
Du darfst das Mehl wechseln. Ein einzelner Wechsel ruiniert keine stabile Kultur. Wenn du dein ASG dauerhaft auf eine andere Getreideart umstellen möchtest, füttere es mehrere Male mit dem neuen Mehl und beobachte, wie sich Konsistenz und Reifezeit verändern.
Kannst du Sauerteig mit Dinkelmehl füttern?
Ja, Dinkelmehl Type 630 oder 1050 eignet sich für die Fütterung. Für eine dauerhafte Umstellung von Weizen oder Roggen auf Dinkel fütterst du über mehrere Auffrischungen mit Dinkelmehl weiter. Ein gelegentlicher Wechsel ist bei einer stabilen Kultur in der Regel unproblematisch. Roggen-, Weizen- und Dinkelansätze können trotz gleicher Wasser- und Mehlmengen unterschiedlich fest aussehen.
Lievito Madre wird fester geführt als die Anleitungen auf dieser Seite. Die passende Pflege findest du im Beitrag Lievito Madre ansetzen und auffrischen.

Wann solltest du Sauerteig vor dem Backen füttern?
Vor dem Backen füttere ich mein Anstellgut warm und prüfe, ob es sich im passenden Zeitfenster mindestens verdoppelt. Das ist mein Hauptmaß für die Triebkraft. Ein paar Bläschen im Kühlschrankglas reichen mir dafür nicht.
Plane ab dem Mischen bei 26 bis 28 °C etwa 2 bis 4 Stunden für 1:1:1, 4 bis 6 Stunden für 1:2:2 oder 6 bis 8 Stunden für 1:5:5 ein. Für 1:3:3 und 1:4:4 kannst du dich grob an 5 bis 7 Stunden orientieren. Dazu kommen bei meinem Ablauf etwa 1 Stunde zum Anwärmen und wenige Minuten Arbeit. Diese Planung reicht bis zum reifen ASG. Falls dein Brotrezept anschließend einen eigenen Sauerteig ansetzt, kommt dessen Reifezeit noch hinzu.
Das Rezept verlangt aktives Anstellgut
Dann fütterst du rechtzeitig die benötigte Menge und verwendest sie reif. Plane einen kleinen Rest zum Weiterführen ein. Das ASG hat sich im Zeitfenster der gewählten Führung mindestens verdoppelt, ist von Bläschen durchzogen und noch nicht eingefallen. Rezepte, die ausdrücklich älteres ASG oder Sauerteigreste verlangen, haben andere Voraussetzungen; dort gilt der jeweilige Rezeptablauf.
Das Rezept setzt einen eigenen Sauerteig an
Dann nimmst du von deinem aktiven ASG die im Rezept angegebene Menge und mischst sie mit dem dort angegebenen Mehl und Wasser. Dieser neue Ansatz reift als Sauerteig für dein Brot. Seine Mengen und Reifezeiten stehen im Brotrezept. Die kleine Restmenge ASG führst du separat weiter. So bleibt deine Kultur erhalten, während der Rezeptsauerteig vollständig in den Brotteig wandern kann.
Dein ASG war länger im Kühlschrank
Liegt die letzte Auffrischung höchstens eine Woche zurück, hat sich kein Fusel gebildet und riecht das ASG weder stark sauer noch nach Aceton oder beißend, reicht bei mir normalerweise eine Fütterung. Danach muss es den Aktivitätstest trotzdem bestehen: mindestens Verdopplung innerhalb des passenden Zeitfensters.
Auch nach längeren Pausen beginne ich mit einer Fütterung und beurteile die Reaktion. Braucht das ASG bei passender Temperatur deutlich länger, kann eine weitere Auffrischung nötig sein. Die Anzahl lässt sich nicht aus den Kühlschrankwochen ableiten. Füttere einen kaum aktiven Ansatz nicht allein deshalb sofort erneut, weil das Zeitfenster abgelaufen ist. Prüfe zuerst die Bedingungen und lass ihn sichtbar aktiv werden; bei anhaltenden Problemen hilft dir mein Guide Sauerteig geht nicht auf.
Woran erkennst du Backbereitschaft?
Mein Hauptmaß ist die mindestens erreichte Verdopplung innerhalb des zur Führung passenden Zeitfensters. Dazu kommen viele feine Bläschen, eine noch nicht eingefallene Struktur und ein angenehm mild-säuerlicher, joghurtiger bis fruchtiger Geruch. Du musst nicht auf eine Verdreifachung warten. Die Verdopplung allein bezeichnet auch nicht bei jeder Kultur genau den höchsten Stand, den sogenannten Peak.
Für die reine Pflege endet die warme Reife früher: Sobald sich das Volumen knapp verdoppelt hat, stelle ich das ASG kalt. Zum Einstieg ins Brotbacken findest du den weiteren Ablauf in meinem Sauerteigbrot-Guide.
Häufige Fragen zum Sauerteig füttern
Ich führe mein ASG bei 26 bis 28 °C. Dafür eignet sich beispielsweise eine regelbare Gärbox. Auch eine Isolierbox mit einer warmen Wasserflasche kann helfen. Miss die Temperatur am Standort nach und vermeide direkten Kontakt mit heißen Flächen. Eine Backofenlampe liefert je nach Gerät sehr unterschiedliche Wärme; auf eine ungeprüfte Einstellung verlasse ich mich nicht.
Für ein Rezept mit aktivem Anstellgut füttere ich vorher warm und prüfe die zeitgerechte Verdopplung. Bei ausdrücklich für älteres ASG oder Sauerteigreste ausgelegten Rezepten hältst du dich an deren Anleitung.
Nein. Für die reine Pflege lasse ich es warm reifen und stelle es bei knapper Verdopplung kühl. Zum Backen warte ich, bis es sich innerhalb des passenden Zeitfensters mindestens verdoppelt hat und auch die übrigen Reifezeichen stimmen.
Plane die im Brotrezept benötigte Menge und einen kleinen Vorrat für die nächste Fütterung ein. Bei der Anleitung oben benötigst du dafür wieder 20 g ASG. Eine kleine Führung spart Mehl und produziert weniger Reste. Geeignete, unverdorbene Überschüsse kannst du in meinen Rezepten mit Sauerteigresten verwenden.
Ja, wenn es lebendes Anstellgut oder eine zum Weiterführen geeignete aktive Starterkultur ist. Beachte bei einer nötigen ersten Aktivierung die Herstelleranleitung. Inaktive Sauerteigextrakte zum Aromatisieren sind dafür nicht geeignet. Ob ein Produkt flüssig oder getrocknet ist, sagt allein noch nicht, ob es eine lebende Kultur enthält.
Prüfe zuerst Temperatur, Fütterungsverhältnis und Reifezeit. Fusel, eine Flüssigkeitsschicht, kann auf Futtermangel hinweisen und ist allein kein Schimmelbeweis. Bei pelzigem Belag, schimmelverdächtigen farbigen Stellen oder unklarer Verunreinigung entsorgst du die gesamte Kultur. Eine weiße Haut lässt sich aus der Ferne nicht sicher als harmlose Kahmhefe bestimmen. Die ausführliche Fehlersuche findest du unter Sauerteig geht nicht auf.
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2 Kommentare
Sieglinde
Liebe Sonja, habe heute deine Anleitung entdeckt. Obwohl ich schon länger mit Sauerteig backe, fand ich die Infos nochmal hilfreich. Vielen Dank! GLG Sieglinde
Nicole
Super hilfreiche Tipps. Vielen Dank auch für deine Rezepte, hab schon viel gebacken von dir.