Dein Sauerteig will gerade nicht so recht aufgehen und du fragst dich, ob alles verloren ist? Keine Panik, das passiert auch erfahrenen Bäckerinnen. Meist ist dein Sauerteig zu retten, manchmal sogar dein heutiger Backtag noch. Ich zeige dir Schritt für Schritt, woran es liegt, was du jetzt sofort tun kannst und wie du das Problem beim nächsten Mal vermeidest. Los geht’s!
Sauerteig lernen – Schritt für Schritt
3. Du bist hier: Sauerteig geht nicht auf
Schnelle Diagnose: Wo liegt dein Problem?
Bevor du in die Lösungen einsteigst, schau kurz hin: An welchem Punkt geht dein Sauerteig nicht auf? Die folgende Übersicht hilft dir, das Problem schnell einzuordnen.
Anstellgut geht nicht auf (im Glas)
Dein ASG zeigt nach dem Füttern kaum Aktivität, verdoppelt sich nicht oder fällt schnell wieder zusammen.
Häufigste Ursachen: Zu kalt, zu schwach, schlechtes Mehl oder zu lange im Kühlschrank.
Spring direkt zur Sektion “Wenn dein Anstellgut nicht auf Touren kommt“
Sauerteig (Vorteig) im Brotrezept geht nicht auf
Dein angesetzter Sauerteig fürs Brot reift nicht zuverlässig oder zu langsam.
Häufigste Ursachen: ASG noch nicht am Peak, falsche Temperatur, zu wenig Starter-Anteil.
Spring direkt zur Sektion “Wenn der Vorteig nicht reift“
Brotteig geht nicht auf
Der Hauptteig zeigt kaum Volumenzunahme, bleibt flach, läuft breit oder fällt nach dem Formen ein.
Häufigste Ursachen: Unreifer oder überreifer Vorteig, falsche Teigtemperatur, Untergare oder Übergare.
Spring direkt zur Sektion “Wenn der Brotteig nicht aufgeht“
Brot ist gebacken, aber zu kompakt
Du hast gebacken, aber das Ergebnis ist dichter als gewünscht, mit feuchter oder klebriger Krume.
Häufigste Ursachen: Schwacher Sauerteig, zu kurze Reifezeit, falsche Mehlwahl, Amylasen-Aktivität bei Roggen.
Spring direkt zur Sektion “Wenn das fertige Brot zu kompakt ist“

Die häufigsten Ursachen im Detail
Nach über 10 Jahren Sauerteig und hunderten Leser-Fragen kann ich dir sagen: Die meisten Probleme haben einen von sieben Gründen. Hier sind sie, sortiert nach Häufigkeit.
1. Starter nicht aktiv genug
Symptom: Dein ASG zeigt kaum Bläschen, der Geruch ist flach oder muffig, keine Verdopplung innerhalb von 4 bis 8 Stunden bei Wärme.
Ursache: Zu selten gefüttert, zu kalt geführt, Peak verpasst, oder das ASG hat zu lange im Kühlschrank gestanden.
Sofort-Lösung: 1 bis 2 mal warm auffrischen bei 26 bis 28 Grad. Mein Standard-Auffrischen-Verhältnis ist 1:5:5, das gibt den Mikroorganismen viel Futter zum Aufbau. Wie das genau geht, erkläre ich in meinem Beitrag Sauerteig auffrischen.
2. Zu niedrige Teig- oder Raumtemperatur
Symptom: Trieb bleibt langsam oder kommt gar nicht, Teig wirkt träge.
Ursache: Sauerteig mag Wärme. Unter 22 Grad wird’s zäh, unter 20 Grad bleibt fast alles stehen.
Sofort-Lösung: Standort wechseln. Idealer Bereich:
- ASG: 26 bis 28 Grad
- Weizen- und Dinkelteige: 24 bis 26 Grad
- Roggenteige: 28 bis 30 Grad (warme Schnellführung)
Praxistipp: Backofen mit eingeschalteter Lampe (keine LED) gibt zuverlässig 26 bis 28 Grad. Heizmatte mit Thermostat in einer Styroporbox ist noch präziser.
Der umgekehrte Fall kommt im Sommer genauso häufig vor: Dein Anstellgut steht dauerhaft über 30 Grad und ist innerhalb von zwei Stunden durch, obwohl du mit sechs gerechnet hast. Was dann passiert und wie du gegensteuerst, liest du weiter unten im Abschnitt zu warm stehendem Sauerteig.
3. Überreifer oder unterreifer Starter
Symptom Überreif: Säuerlich, eingefallen, alkoholischer oder acetonartiger Geruch. Triebkraft schwach. Lösung: 1 bis 2 warme Auffrischungen im Verhältnis 1:5:5, erst am Peak verwenden (siehe weiter unten).
Symptom Unterreif: Frisch gefüttert, noch nicht sichtbar verdoppelt, kaum Bläschen. Lösung: Geduld. Lass ihn die Verdopplung erreichen, das kann je nach Verhältnis 4 bis 12 Stunden dauern.
4. Zu viel Salz, Fett oder Zucker (oder zu früh zugegeben)
Symptom: Teig fermentiert sehr langsam oder gar nicht, besonders bei süßen oder reichhaltigen Teigen.
Ursache: Salz, Zucker und Fett bremsen die Hefen im Sauerteig.
Lösung: Bei reichhaltigen Teigen mit Autolyse arbeiten. Erst Mehl (Weizen oder Dinkel) und Wasser 20 bis 60 Minuten ruhen lassen, danach den Starter zugeben, Salz und Fett spät einarbeiten. So baut sich das Gluten ungestört auf.
5. Mehl und Hydration passen nicht
Symptom: Teig läuft breit oder ist sehr fest, kommt schwer auf.
Ursache: Schwaches Mehl mit zu geringem Proteingehalt oder Hydration passt nicht zur Mehlsorte.
Lösung: Mehl-Charge prüfen, idealerweise Bio-Mehl aus der Mühle. Bei zu weichem Teig nicht Mehl nachkippen, sondern mit Dehnen und Falten Struktur aufbauen. Mehr Hintergrund findest du in meinem Sauerteig-Rechner für die richtige Berechnung.
6. Reifezeit falsch eingeschätzt (Unter- oder Übergare)
Symptom Untergare: Brot bleibt flach beim Backen, Krume dicht. Symptom Übergare: Teig fällt beim Einschneiden ein, Brot wird flach, Krume grobporig oder zusammengefallen.
Sofort-Lösung: Reifezeichen lesen statt Uhrzeit.
- Volumen hat sich deutlich erhöht (Vorteig: verdoppelt bis verdreifacht)
- Feine Bläschen an Oberfläche und Schnittfläche sichtbar
- Geruch fruchtig-milchsauer (nicht stechend)
- Bei Weizen/Dinkel: Fingertest durchführen
- Bei Roggen: Fingertest nicht zuverlässig, stattdessen feine Risse (0,5 bis 1 cm) auf der bemehlten Oberfläche beobachten
7. Wasserqualität
Symptom: Trotz richtiger Temperatur und Fütterung kommt der Sauerteig nicht in Schwung.
Ursache: Stark gechlortes Leitungswasser kann die Mikroflora hemmen. Sehr weiches Wasser schwächt das Glutengerüst.
Lösung: Wasser über Nacht offen stehen lassen oder abgekochtes/gefiltertes Wasser nutzen. Bei sehr weichem Wasser 10 bis 20 g stilles, calciumhaltiges Mineralwasser pro 500 g Mehl beimischen.


Erste Hilfe: Wenn dein Anstellgut nicht auf Touren kommt
Wenn dein ASG im Glas einfach nicht aktiv werden will, gehen wir gezielt vor.
Schritt 1: Standort warm machen
Stelle das Glas an einen Ort mit konstanten 26 bis 28 Grad. Backofen mit eingeschalteter Lampe, Heizmatte in einer Box oder neben die Heizung mit Holzbrett als Abstand. Temperatur unbedingt mit einem Thermometer am Standort messen.
Schritt 2: Mit warmem Wasser auffrischen
Wechsel zu Verhältnis 1:5:5 (10 g ASG, 50 g Mehl, 50 g warmes Wasser bei 35 bis 40 Grad). Damit haben die Mikroorganismen viel Futter zum Aufbau.
Schritt 3: Geduldig beobachten
Warte 6 bis 8 Stunden. Sichtbare Verdopplung mit feinen Bläschen? Glückwunsch, dein ASG ist zurück. Wenn nicht: zweite Auffrischung mit identischem Verhältnis. Bei länger ungenutzem ASG sind 2 bis 3 Auffrischungen hintereinander normal.
Schritt 4: Peak abwarten und verwenden
Dein ASG ist backbereit, wenn die Oberfläche leicht gewölbt ist, viele feine Bläschen sichtbar sind und der Geruch fruchtig-milchsauer ist (nicht stechend oder acetonartig).

Mein Tipp
Bei einem länger vergessenen ASG aus dem Kühlschrank entnehme ich immer nur einen kleinen Teil aus der Mitte des Glases, nicht von den Rändern. Dort sitzt die fitteste Mikroflora. Den Rest entsorge ich oder verbacke ihn in Auffrischrezepten, damit nichts im Müll landet.

Wenn dein Sauerteig zu warm steht
Sauerteig ist eine Symbiose aus wilden Hefen und Milchsäurebakterien, und die beiden mögen nicht dieselbe Temperatur. Wird es zu warm, kippt das Gleichgewicht zugunsten der Bakterien. Dein Sauerteig stirbt dabei nicht, aber er verhält sich völlig anders, als du es gewohnt bist.
Mein Anstellgut stand lange auf dem Küchenregal. Im Sommer habe ich dort 34 Grad gemessen, und das ist genau der Bereich, in dem sich das Reifefenster von Stunden auf gut eine Stunde zusammenzieht. Seitdem schaue ich im an warmen Sommertagen zuerst aufs Thermometer und stelle mich dann entsprechend auf eine kürzere Reifezeit ein.
Was bei Wärme im Glas passiert
Die Milchsäurebakterien übernehmen. Sie lieben Wärme. Ab 30 Grad laufen sie auf Hochtouren und produzieren sehr schnell Säure.
Die Hefen bleiben zurück. Die wilden Hefen, die für den Trieb sorgen, haben ihr Optimum zwischen 24 und 28 Grad. Über 30 Grad vermehren sie sich langsamer, ab etwa 40 Grad arbeiten sie kaum noch.
Das Klebergerüst leidet. Durch die schnelle Säureproduktion sinkt der pH-Wert rasch, und niedriger pH aktiviert Proteasen. Diese Enzyme bauen das Gluten ab, der Teig wird flüssig und hält kein Gas mehr. Mehr dazu im Abschnitt zum suppigen Teig weiter unten.
Das Aroma wird unausgewogen. Statt milder, vielschichtiger Säure bekommst du eine stechende, eindimensionale spitze Säure.
Die Temperaturbereiche im Überblick
| Temperatur | Was im Sauerteig passiert |
|---|---|
| 24–28 Grad | Idealbereich. Hefen und Bakterien arbeiten im Gleichgewicht. |
| 30–35 Grad | Sehr schnelle Reifung. Das Reifefenster wird eng, Überreife droht innerhalb weniger Stunden. Bakterien dominieren. |
| 35–40 Grad | Die Hefen werden stark gehemmt, die Säure steigt weiter. Das Klebergerüst gibt nach. |
| ab 45–50 Grad | Die Mikroorganismen sterben ab, das Anstellgut ist nicht mehr zu retten. |
Wichtig zur Einordnung: Hier geht es um die Temperatur, bei der dein Anstellgut oder dein Sauerteig über Stunden steht. Warmes Schüttwasser ist etwas anderes. Wenn ich zum Auffrischen 50 g Wasser mit 35 Grad auf 10 g kaltes Anstellgut und 50 g Mehl bei Raumtemperatur gebe, liegt die Mischung danach bei 26 bis 28 Grad, also genau im Idealbereich. Die Wassertemperatur ist ein Stellhebel, nicht das Ergebnis.
Ebenfalls kein Widerspruch: Roggenteige führe ich im Brotteig gerne bei 28 bis 30 Grad. Das ist kein Versehen, sondern Methode. Beim Anstellgut geht es um Triebkraft, und die kommt von den Hefen, die bei Wärme gegen die Bakterien verlieren. Beim Roggenbrotteig ist die schnelle Säurebildung dagegen erwünscht, weil Roggen die Säure braucht, um die Stärke zu stabilisieren und die Amylasen zu bremsen. Dazu kommt: Roggen hat kein tragendes Klebergerüst, das die Säure abbauen könnte. Was beim Weizenteig zum Problem wird, spielt dort schlicht keine Rolle.
Merke: Über 30 Grad verkürzt sich dein Reifefenster drastisch. Was sonst 4 bis 6 Stunden braucht, kann nach 1,5 bis 2 Stunden schon überreif sein. Stell dir im Sommer einen Wecker und schau rechtzeitig nach.
So rettest du einen zu warmen Sauerteig
Sofort kühler stellen. Nimm das Glas vom warmen Platz und stell es an einen Ort mit 18 bis 22 Grad. Wenn es sehr warm ist, hilft der Kühlschrank, um die Aktivität komplett auszubremsen.
Die Säure ausdünnen. Ist dein Anstellgut schon flüssig geworden und riecht stechend oder acetonartig (siehe Punkt 3 oben), nimm nur einen kleinen Rest von 5 bis 10 Gramm und füttere im Verhältnis 1:5:5 oder 1:10:10. Nimm dafür kühles Wasser, nicht warmes. Das verdünnt die Säure und gibt den Hefen wieder Raum.
Von Anfang an kühler ansetzen. Wenn deine Küche im Sommer über 26 Grad hat, brauchst du keinen warmen Ort. Setz das Anstellgut mit kühlerem Wasser an als sonst, um die Temperatur von Beginn an zu drücken.
Bei mir sieht das so aus: Wird die Umgebung richtig warm, stelle ich zusätzlich das Mehl vorher kalt. Reicht auch das nicht, kommt ein Coolpack an das Glas oder das Glas in den kühleren Keller. Die Teigtemperatur messe ich danach immer, statt sie zu schätzen.
Welche Wassertemperatur du dafür brauchst, rechnet dir mein Schüttwasser-Rechner aus.
Wenn der Vorteig nicht reift
Du hast den Sauerteig für dein Brot angesetzt, aber er kommt nicht auf das gewünschte Volumen?
Mögliche Ursachen
- ASG war beim Ansatz noch nicht am Peak
- Starter-Anteil im Rezept zu niedrig
- Raumtemperatur zu kühl
- Mehl im Vorteig hat zu wenig Triebkraft (zu altes Mehl)
Sofort-Maßnahmen
- Vorteig an einen wärmeren Ort stellen (26 bis 28 Grad)
- Mehr Geduld haben, Reifezeiten können je nach Aktivität 4 bis 16 Stunden dauern
- Bei wiederkehrendem Problem: ASG vorher 2 bis 3 mal auffrischen (siehe Sauerteig auffrischen)
Anteil aktiver Starter passend wählen
Der Starter-Anteil im Hauptteig steuert Tempo und Aroma. Hier eine Übersicht:
| Starter-Anteil* | Typische Nutzung | Wirkung |
|---|---|---|
| ca. 10 % | Heiße Tage, sehr lange kalte Gare | Sehr mild, äußerst langsam |
| 20 bis 25 % | Alltagsbrote | Ausgewogen und planbar |
| 30 % | Vollkornanteil, kühlere Küche | Zügiger, kräftiger |
| 40 % | Roggenteige, hoher Roggenanteil | Nötig für Stabilität und Säure |
*Bezogen auf die Mehlmenge im Hauptteig. Den Sauerteig (Mehl plus Wasser) in der Rezeptbilanz mitrechnen. Für die genaue Berechnung deines Vorteigs nutze gerne meinen Sauerteig-Rechner.
Wenn der Brotteig nicht aufgeht
Vorteig war fit, aber der Hauptteig bleibt flach?
Teigtemperatur prüfen
Nach dem Kneten sollte deine Teigtemperatur in folgenden Bereichen liegen:
- Weizen- und Dinkelteige: 24 bis 26 Grad
- Roggenteige: 26 bis 28 Grad
Zu kühler Teig fermentiert träge. Bei Bedarf den Teig an einen wärmeren Ort stellen oder am Anfang mit etwas wärmerem Wasser arbeiten.
Reifezeit nach Volumen, nicht nach Uhr
Verlasse dich auf Reifezeichen, nicht auf die Uhrzeit. Volumen verdoppelt? Feine Bläschen sichtbar? Dann ist der Teig backbereit.
Bei weichem Teig Struktur aufbauen
Wenn dein Teig zu weich wirkt: kein Mehl nachkippen, sondern mit Dehnen und Falten während der Stockgare arbeiten. 2 bis 4 mal alle 30 bis 45 Minuten. Das gibt dem Teig Struktur ohne ihn auszutrocknen.
Wenn der Teig suppig wird
Wenn dein Teig im Verlauf der Gare flüssig wird oder zerläuft, sind oft pH-Wert und Proteasen die Ursache. Zu viel Säure aktiviert Proteasen, die das Gluten abbauen, und der Teig kollabiert.
Gegensteuern:
- Teig kühler führen (nicht über 24 bis 26 Grad)
- Starter-Anteil senken bei langer Gare
- ASG vorher 1 bis 2 mal im Verhältnis 1:5:5 warm auffrischen, um die Säure zu reduzieren

Wenn das fertige Brot zu kompakt ist
Du hast gebacken, aber das Brot ist dichter als erwartet, mit feuchter Krume oder zu wenig Porung?
Weizen- oder Dinkelbrot mit unregelmäßiger Krume
Ursache: Untergare. Der Teig wurde zu früh geformt und/oder zu früh gebacken und konnte sich nicht vollständig entwickeln. Du erkennst das an unregelmäßigen Hohlräumen (Tunnelbildung) neben dichten Bereichen.
Lösung:
- Reifezeichen lesen statt nur auf die Uhr schauen
- Fingertest nutzen: Delle kommt langsam teilweise zurück, dann ist der Teig backbereit
- Wärmer führen (24 bis 26 Grad)
- Bei kalter Stückgare vorher 30 bis 60 Minuten bei Raumtemperatur anspringen lassen, bei reinen Sauerteigrezepten noch länger

Roggenbrot geht nicht auf, Krume bleibt dicht
Ursache: Zu wenig Säure im Vorteig, schwacher Sauerteig, zu kurze Reifezeit.
Lösung: Starter-Anteil erhöhen auf 30 bis 40 %, kühler und länger führen, bei Vollgare sofort backen.

Krume mit großen Hohlräumen aber dicht
Ursache: Zu milder Sauerteig mit zu wenig Säure, eventuell Amylasen-Aktivität, Untergare.
Lösung: Starter auf 30 bis 40 % erhöhen, wärmer führen (28 bis 30 Grad), Gare nach Volumen und Rissen beurteilen und gut ausbacken.

Krume ist schmierig und klebt an den Zähnen
Ursache: Oft zu viel Amylase im Mehl (besonders bei Roggen) oder zu warme Führung. Amylasen bauen die Stärke übermäßig ab.
Lösung:
- Andere Mehlcharge testen
- Kühler und etwas saurer führen (besonders bei Roggenmehl)
- Brot gut ausbacken, lieber etwas länger als zu kurz
- Nach dem Backen mindestens 12 Stunden auskühlen lassen vor dem Anschneiden
Sauerteig geht nicht auf, trotzdem backen?
Die ehrliche Antwort: Ja, oft geht das. Hier sind drei Notfall-Strategien.
Brotteig schwach aber formbar
Wenn dein Teig keine gute Spannung hat, aber sich noch formen lässt:
- Straff und mit Spannung formen
- Zügig in eine Kastenform geben (die Form gibt die Stabilität)
- Kürzer reifen lassen als geplant
- Ziel: kompaktes Brot statt flacher Fladen
Kruste und Geschmack werden trotzdem gut, nur die Krume wird dichter.
Übergare (Teigling fällt ein)
Wenn dein Teig schon zusammenfällt:
- Sofort backen
- In einer Form backen (Kastenform, kleines Blech mit Rand)
- Nicht schwaden (zu viel Feuchtigkeit lässt den Teig weiter einfallen)
Fürs nächste Mal: Kühler führen oder Starter-Anteil reduzieren und/oder früher kühlen bei der Kühlschrankgare.
Starter tut gar nichts
Wenn dein ASG einfach komplett verweigert:
- Backtag verschieben: 2 bis 3 warme Auffrischungen bei 26 bis 28 Grad geben, dann morgen neu starten
- Hybrid-Notfall: 0,1 bis 0,2 % Frischhefe (bezogen auf Mehl) mit dem schwachen Sauerteig kombinieren. Das gibt dem Teig sicheren Trieb, das Sauerteig-Aroma bleibt erhalten. Konkret: 0,5 bis 1 g Frischhefe auf 500 g Mehl
- Alternative: Heute Hefeteig backen, morgen mit fittem Sauerteig neu starten
Wann musst du wirklich neu anfangen?
In diesen Fällen ist dein ASG nicht mehr zu retten und du musst neu züchten:
- Schimmel: Pelzige, flauschige Flecken in Weiß, Grün, Schwarz oder Blau auf der Oberfläche oder am Glasrand
- Faulig-modriger Geruch: Riecht nicht mehr nach Sauerteig, sondern muffig oder verdorben
- Rosa Verfärbung: Deutet auf gefährliche Bakterien hin
Wichtig: Eine dünne weiße Haut an der Oberfläche ist meist nur Kahmhefe und kann abgehoben werden. Das ist nicht gefährlich. Wie du einen neuen Sauerteig züchtest, erfährst du in meinem Beitrag Sauerteig ansetzen.

Damit es beim nächsten Mal klappt
Prävention ist besser als Reparatur. Hier sind meine drei wichtigsten Vorbeugungs-Strategien.
Regelmäßige Pflege deines Anstellguts
Ein gut gepflegtes ASG ist die halbe Miete. Wenn du dein ASG einmal pro Woche fütterst, ist es immer einsatzbereit. Wie meine Pflege-Routine aussieht, zeige ich in Sauerteig füttern.
Auffrischung vor dem Backen einplanen
Wenn dein ASG länger als 1 Woche im Kühlschrank stand, plane mindestens 1 bis 2 Auffrischungen ein, bevor du backst. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern professionelle Routine. Wie es richtig geht, erkläre ich in Sauerteig auffrischen.
Reifezeichen lesen lernen
Verlass dich nie nur auf die Uhrzeit. Lerne, deinen Sauerteig zu lesen:
- Volumen: Hat sich verdoppelt oder verdreifacht
- Bläschen: Viele feine Bläschen an der Oberfläche und an den Glaswänden
- Geruch: Fruchtig-milchsauer, joghurtartig, niemals stechend oder acetonartig
- Konsistenz: Schwammig, luftig, elastisch
- Fingertest bei Weizen/Dinkel: Delle kommt langsam teilweise zurück, dann ist der Teig backbereit (mehr dazu in Fingerdrucktest)
Häufige Fragen
Meist fehlen Wärme oder das Timing. Stelle dein ASG bei 26 bis 28 Grad auf, füttere im Verhältnis 1:5:5 und nutze es erst am Peak (sichtbar gewölbt, viele feine Bläschen, fruchtig-milchsauer riechend).
Bei 26 bis 28 Grad verdoppelt sich ein fitter Starter in 4 bis 8 Stunden. Wenn er kühler steht oder länger ungefüttert war, dauert es deutlich länger. Bei lange vergessenem ASG plane 2 bis 3 Auffrischungen mit jeweils 6 bis 12 Stunden ein.
Ja. Nimm eine Kastenform als Stütze und backe direkt, das gibt ein kompaktes aber sauberes Brot. Oder nutze den Hybrid-Notfall mit 0,1 bis 0,2 % Frischhefe (0,5 bis 1 g auf 500 g Mehl). Den Starter parallel warm auffrischen für das nächste Backvorhaben.
Struktur aufbauen statt Mehl nachkippen. Während der Stockgare 2 bis 4 mal dehnen und falten, später straff formen. Beim Backen eventuell in einer Form arbeiten. Fürs nächste Mal Wasser um 1 bis 2 % reduzieren.
ASG: 26 bis 28 Grad. Weizen- und Dinkelteige: 24 bis 26 Grad. Roggenteige: 28 bis 30 Grad (warme Schnellführung). Kühlschrankgare: 4 bis 6 Grad. Dauerhaft über 30 Grad solltest du dein Anstellgut nicht führen, dann übernehmen die Milchsäurebakterien und der Trieb bleibt zurück.
Kühler führen und früher nachschauen. Bei über 30 Grad Raumtemperatur ist dein Anstellgut oft schon nach 1,5 bis 2 Stunden am Peak statt nach 4 bis 6. Setze es mit kaltem Wasser an, stell es an den kühlsten Ort in der Wohnung, und wenn es sehr heiß ist, nutze den Kühlschrank. Ein größeres Fütterungsverhältnis wie 1:10:10 verlangsamt die Reifung zusätzlich.
Ja. Sehr weiches Wasser kann das Glutengerüst schwächen. Teste 10 bis 20 g stilles, calciumhaltiges Mineralwasser pro 500 g Mehl. Bei starkem Chlor in der Leitung gefiltertes oder abgekochtes Wasser nutzen.
Nein, der Fingertest funktioniert bei Roggen nicht zuverlässig, weil Roggen kein elastisches Glutengerüst hat. Beurteile die Reife stattdessen nach Volumenzunahme und feinen Rissen auf der bemehlten Oberfläche (0,5 bis 1 cm breit). Roggen reift auch generell schneller als Weizen.
Er ist eingefallen und riecht stechend oder acetonartig. Lösung: 1 bis 2 warme Auffrischungen bei 26 bis 28 Grad im Verhältnis 1:5:5, dann erst wieder am Peak verwenden.
Ja, in hoher Menge schon. Bei angereicherten Teigen mit Autolyse arbeiten: zuerst nur Mehl und Wasser 20 bis 45 Minuten ruhen lassen, dann Starter und Salz, später Fett und Zucker zugeben. So kann sich das Gluten in Ruhe aufbauen.
Oft zu viel Amylase im Mehl oder zu warme Führung. Lösung: andere Mehlcharge testen, kühler und saurer führen (besonders bei Roggenmehl), Brot gut ausbacken, und nach dem Backen mindestens 12 Stunden auskühlen lassen vor dem Anschneiden.
Mehr Wissen rund um Sauerteig
Routine-Pflege deines Anstellguts und vor dem Backen: Sauerteig füttern
So machst du dein Anstellgut wieder fit: Sauerteig auffrischen
Du willst neu starten? Sauerteig ansetzen
Alles rund um Sauerteig: Sauerteig-Themenwelt
