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Dein Sauerteig will gerade nicht so recht aufgehen und du fragst dich, ob alles verloren ist? Keine Panik, das passiert auch erfahrenen Bäckerinnen. Meist ist dein Sauerteig zu retten, manchmal sogar dein heutiger Backtag noch. Ich zeige dir Schritt für Schritt, woran es liegt, was du jetzt sofort tun kannst und wie du das Problem beim nächsten Mal vermeidest. Los geht’s!

Sauerteig lernen – Schritt für Schritt

1. Sauerteig ansetzen

2. Sauerteig richtig füttern

3. Du bist hier: Sauerteig geht nicht auf

4.Dein erstes Sauerteigbrot backen

5. Sauerteig aufbewahren

Schnelle Diagnose: Wo liegt dein Problem?

Bevor du in die Lösungen einsteigst, schau kurz hin: An welchem Punkt geht dein Sauerteig nicht auf? Die folgende Übersicht hilft dir, das Problem schnell einzuordnen.

Anstellgut geht nicht auf (im Glas)

Dein ASG zeigt nach dem Füttern kaum Aktivität, verdoppelt sich nicht oder fällt schnell wieder zusammen.

Häufigste Ursachen: Zu kalt, zu schwach, schlechtes Mehl oder zu lange im Kühlschrank.

Spring direkt zur Sektion “Wenn dein Anstellgut nicht auf Touren kommt“

Sauerteig (Vorteig) im Brotrezept geht nicht auf

Dein angesetzter Sauerteig fürs Brot reift nicht zuverlässig oder zu langsam.

Häufigste Ursachen: ASG noch nicht am Peak, falsche Temperatur, zu wenig Starter-Anteil.

Spring direkt zur Sektion “Wenn der Vorteig nicht reift“

Brotteig geht nicht auf

Der Hauptteig zeigt kaum Volumenzunahme, bleibt flach, läuft breit oder fällt nach dem Formen ein.

Häufigste Ursachen: Unreifer oder überreifer Vorteig, falsche Teigtemperatur, Untergare oder Übergare.

Spring direkt zur Sektion “Wenn der Brotteig nicht aufgeht“

Brot ist gebacken, aber zu kompakt

Du hast gebacken, aber das Ergebnis ist dichter als gewünscht, mit feuchter oder klebriger Krume.

Häufigste Ursachen: Schwacher Sauerteig, zu kurze Reifezeit, falsche Mehlwahl, Amylasen-Aktivität bei Roggen.

Spring direkt zur Sektion “Wenn das fertige Brot zu kompakt ist“

Reifer Weizensauerteig mit vielen Luftbläschen in einem Einmachglas.
So sieht ein sehr aktiver Sauerteig aus.

Die häufigsten Ursachen im Detail

Nach über 10 Jahren Sauerteig und hunderten Leser-Fragen kann ich dir sagen: Die meisten Probleme haben einen von sieben Gründen. Hier sind sie, sortiert nach Häufigkeit.

1. Starter nicht aktiv genug

Symptom: Dein ASG zeigt kaum Bläschen, der Geruch ist flach oder muffig, keine Verdopplung innerhalb von 4 bis 8 Stunden bei Wärme.

Ursache: Zu selten gefüttert, zu kalt geführt, Peak verpasst, oder das ASG hat zu lange im Kühlschrank gestanden.

Sofort-Lösung: 1 bis 2 mal warm auffrischen bei 26 bis 28 Grad. Mein Standard-Auffrischen-Verhältnis ist 1:5:5, das gibt den Mikroorganismen viel Futter zum Aufbau. Wie das genau geht, erkläre ich in meinem Beitrag Sauerteig auffrischen.

2. Zu niedrige Teig- oder Raumtemperatur

Symptom: Trieb bleibt langsam oder kommt gar nicht, Teig wirkt träge.

Ursache: Sauerteig mag Wärme. Unter 22 Grad wird’s zäh, unter 20 Grad bleibt fast alles stehen.

Sofort-Lösung: Standort wechseln. Idealer Bereich:

Praxistipp: Backofen mit eingeschalteter Lampe (keine LED) gibt zuverlässig 26 bis 28 Grad. Heizmatte mit Thermostat in einer Styroporbox ist noch präziser.

Der umgekehrte Fall kommt im Sommer genauso häufig vor: Dein Anstellgut steht dauerhaft über 30 Grad und ist innerhalb von zwei Stunden durch, obwohl du mit sechs gerechnet hast. Was dann passiert und wie du gegensteuerst, liest du weiter unten im Abschnitt zu warm stehendem Sauerteig.

3. Überreifer oder unterreifer Starter

Symptom Überreif: Säuerlich, eingefallen, alkoholischer oder acetonartiger Geruch. Triebkraft schwach. Lösung: 1 bis 2 warme Auffrischungen im Verhältnis 1:5:5, erst am Peak verwenden (siehe weiter unten).

Symptom Unterreif: Frisch gefüttert, noch nicht sichtbar verdoppelt, kaum Bläschen. Lösung: Geduld. Lass ihn die Verdopplung erreichen, das kann je nach Verhältnis 4 bis 12 Stunden dauern.

4. Zu viel Salz, Fett oder Zucker (oder zu früh zugegeben)

Symptom: Teig fermentiert sehr langsam oder gar nicht, besonders bei süßen oder reichhaltigen Teigen.

Ursache: Salz, Zucker und Fett bremsen die Hefen im Sauerteig.

Lösung: Bei reichhaltigen Teigen mit Autolyse arbeiten. Erst Mehl (Weizen oder Dinkel) und Wasser 20 bis 60 Minuten ruhen lassen, danach den Starter zugeben, Salz und Fett spät einarbeiten. So baut sich das Gluten ungestört auf.

5. Mehl und Hydration passen nicht

Symptom: Teig läuft breit oder ist sehr fest, kommt schwer auf.

Ursache: Schwaches Mehl mit zu geringem Proteingehalt oder Hydration passt nicht zur Mehlsorte.

Lösung: Mehl-Charge prüfen, idealerweise Bio-Mehl aus der Mühle. Bei zu weichem Teig nicht Mehl nachkippen, sondern mit Dehnen und Falten Struktur aufbauen. Mehr Hintergrund findest du in meinem Sauerteig-Rechner für die richtige Berechnung.

6. Reifezeit falsch eingeschätzt (Unter- oder Übergare)

Symptom Untergare: Brot bleibt flach beim Backen, Krume dicht. Symptom Übergare: Teig fällt beim Einschneiden ein, Brot wird flach, Krume grobporig oder zusammengefallen.

Sofort-Lösung: Reifezeichen lesen statt Uhrzeit.

7. Wasserqualität

Symptom: Trotz richtiger Temperatur und Fütterung kommt der Sauerteig nicht in Schwung.

Ursache: Stark gechlortes Leitungswasser kann die Mikroflora hemmen. Sehr weiches Wasser schwächt das Glutengerüst.

Lösung: Wasser über Nacht offen stehen lassen oder abgekochtes/gefiltertes Wasser nutzen. Bei sehr weichem Wasser 10 bis 20 g stilles, calciumhaltiges Mineralwasser pro 500 g Mehl beimischen.

Frisch angesetzter Weizensauerteig für einfaches Sauerteigbrot.
Frisch angesetzter Sauerteig mit Volumenamarkierung.
Reifer Sauerteig für ein einfaches Sauerteigbrot.
Reifer Sauerteig mit vielen Bläschen und guter Verdopplung.

Erste Hilfe: Wenn dein Anstellgut nicht auf Touren kommt

Wenn dein ASG im Glas einfach nicht aktiv werden will, gehen wir gezielt vor.

Schritt 1: Standort warm machen

Stelle das Glas an einen Ort mit konstanten 26 bis 28 Grad. Backofen mit eingeschalteter Lampe, Heizmatte in einer Box oder neben die Heizung mit Holzbrett als Abstand. Temperatur unbedingt mit einem Thermometer am Standort messen.

Schritt 2: Mit warmem Wasser auffrischen

Wechsel zu Verhältnis 1:5:5 (10 g ASG, 50 g Mehl, 50 g warmes Wasser bei 35 bis 40 Grad). Damit haben die Mikroorganismen viel Futter zum Aufbau.

Schritt 3: Geduldig beobachten

Warte 6 bis 8 Stunden. Sichtbare Verdopplung mit feinen Bläschen? Glückwunsch, dein ASG ist zurück. Wenn nicht: zweite Auffrischung mit identischem Verhältnis. Bei länger ungenutzem ASG sind 2 bis 3 Auffrischungen hintereinander normal.

Schritt 4: Peak abwarten und verwenden

Dein ASG ist backbereit, wenn die Oberfläche leicht gewölbt ist, viele feine Bläschen sichtbar sind und der Geruch fruchtig-milchsauer ist (nicht stechend oder acetonartig).

Autorenportrait von Sonja Bauer vom Foodblog Cookie und Co.
Dinkelsauerteig nach dem Füttern in einem Glas, mit Gummiband zur Volumenmarkierung sowie einem Glas mit altem Sauerteiganstellgut und Mehl im Hintergrund.
ASG im Glas, träge, geht nicht auf.

Wenn dein Sauerteig zu warm steht

Sauerteig ist eine Symbiose aus wilden Hefen und Milchsäurebakterien, und die beiden mögen nicht dieselbe Temperatur. Wird es zu warm, kippt das Gleichgewicht zugunsten der Bakterien. Dein Sauerteig stirbt dabei nicht, aber er verhält sich völlig anders, als du es gewohnt bist.

Mein Anstellgut stand lange auf dem Küchenregal. Im Sommer habe ich dort 34 Grad gemessen, und das ist genau der Bereich, in dem sich das Reifefenster von Stunden auf gut eine Stunde zusammenzieht. Seitdem schaue ich im an warmen Sommertagen zuerst aufs Thermometer und stelle mich dann entsprechend auf eine kürzere Reifezeit ein.

Was bei Wärme im Glas passiert

Die Milchsäurebakterien übernehmen. Sie lieben Wärme. Ab 30 Grad laufen sie auf Hochtouren und produzieren sehr schnell Säure.

Die Hefen bleiben zurück. Die wilden Hefen, die für den Trieb sorgen, haben ihr Optimum zwischen 24 und 28 Grad. Über 30 Grad vermehren sie sich langsamer, ab etwa 40 Grad arbeiten sie kaum noch.

Das Klebergerüst leidet. Durch die schnelle Säureproduktion sinkt der pH-Wert rasch, und niedriger pH aktiviert Proteasen. Diese Enzyme bauen das Gluten ab, der Teig wird flüssig und hält kein Gas mehr. Mehr dazu im Abschnitt zum suppigen Teig weiter unten.

Das Aroma wird unausgewogen. Statt milder, vielschichtiger Säure bekommst du eine stechende, eindimensionale spitze Säure.

Die Temperaturbereiche im Überblick

TemperaturWas im Sauerteig passiert
24–28 GradIdealbereich. Hefen und Bakterien arbeiten im Gleichgewicht.
30–35 GradSehr schnelle Reifung. Das Reifefenster wird eng, Überreife droht innerhalb weniger Stunden. Bakterien dominieren.
35–40 GradDie Hefen werden stark gehemmt, die Säure steigt weiter. Das Klebergerüst gibt nach.
ab 45–50 GradDie Mikroorganismen sterben ab, das Anstellgut ist nicht mehr zu retten.

Wichtig zur Einordnung: Hier geht es um die Temperatur, bei der dein Anstellgut oder dein Sauerteig über Stunden steht. Warmes Schüttwasser ist etwas anderes. Wenn ich zum Auffrischen 50 g Wasser mit 35 Grad auf 10 g kaltes Anstellgut und 50 g Mehl bei Raumtemperatur gebe, liegt die Mischung danach bei 26 bis 28 Grad, also genau im Idealbereich. Die Wassertemperatur ist ein Stellhebel, nicht das Ergebnis.

Ebenfalls kein Widerspruch: Roggenteige führe ich im Brotteig gerne bei 28 bis 30 Grad. Das ist kein Versehen, sondern Methode. Beim Anstellgut geht es um Triebkraft, und die kommt von den Hefen, die bei Wärme gegen die Bakterien verlieren. Beim Roggenbrotteig ist die schnelle Säurebildung dagegen erwünscht, weil Roggen die Säure braucht, um die Stärke zu stabilisieren und die Amylasen zu bremsen. Dazu kommt: Roggen hat kein tragendes Klebergerüst, das die Säure abbauen könnte. Was beim Weizenteig zum Problem wird, spielt dort schlicht keine Rolle.

Merke: Über 30 Grad verkürzt sich dein Reifefenster drastisch. Was sonst 4 bis 6 Stunden braucht, kann nach 1,5 bis 2 Stunden schon überreif sein. Stell dir im Sommer einen Wecker und schau rechtzeitig nach.

So rettest du einen zu warmen Sauerteig

Sofort kühler stellen. Nimm das Glas vom warmen Platz und stell es an einen Ort mit 18 bis 22 Grad. Wenn es sehr warm ist, hilft der Kühlschrank, um die Aktivität komplett auszubremsen.

Die Säure ausdünnen. Ist dein Anstellgut schon flüssig geworden und riecht stechend oder acetonartig (siehe Punkt 3 oben), nimm nur einen kleinen Rest von 5 bis 10 Gramm und füttere im Verhältnis 1:5:5 oder 1:10:10. Nimm dafür kühles Wasser, nicht warmes. Das verdünnt die Säure und gibt den Hefen wieder Raum.

Von Anfang an kühler ansetzen. Wenn deine Küche im Sommer über 26 Grad hat, brauchst du keinen warmen Ort. Setz das Anstellgut mit kühlerem Wasser an als sonst, um die Temperatur von Beginn an zu drücken.

Bei mir sieht das so aus: Wird die Umgebung richtig warm, stelle ich zusätzlich das Mehl vorher kalt. Reicht auch das nicht, kommt ein Coolpack an das Glas oder das Glas in den kühleren Keller. Die Teigtemperatur messe ich danach immer, statt sie zu schätzen.

Welche Wassertemperatur du dafür brauchst, rechnet dir mein Schüttwasser-Rechner aus.

Wenn der Vorteig nicht reift

Du hast den Sauerteig für dein Brot angesetzt, aber er kommt nicht auf das gewünschte Volumen?

Mögliche Ursachen

Sofort-Maßnahmen

Anteil aktiver Starter passend wählen

Der Starter-Anteil im Hauptteig steuert Tempo und Aroma. Hier eine Übersicht:

Starter-Anteil*Typische NutzungWirkung
ca. 10 %Heiße Tage, sehr lange kalte GareSehr mild, äußerst langsam
20 bis 25 %AlltagsbroteAusgewogen und planbar
30 %Vollkornanteil, kühlere KücheZügiger, kräftiger
40 %Roggenteige, hoher RoggenanteilNötig für Stabilität und Säure

*Bezogen auf die Mehlmenge im Hauptteig. Den Sauerteig (Mehl plus Wasser) in der Rezeptbilanz mitrechnen. Für die genaue Berechnung deines Vorteigs nutze gerne meinen Sauerteig-Rechner.

Wenn der Brotteig nicht aufgeht

Vorteig war fit, aber der Hauptteig bleibt flach?

Teigtemperatur prüfen

Nach dem Kneten sollte deine Teigtemperatur in folgenden Bereichen liegen:

Zu kühler Teig fermentiert träge. Bei Bedarf den Teig an einen wärmeren Ort stellen oder am Anfang mit etwas wärmerem Wasser arbeiten.

Reifezeit nach Volumen, nicht nach Uhr

Verlasse dich auf Reifezeichen, nicht auf die Uhrzeit. Volumen verdoppelt? Feine Bläschen sichtbar? Dann ist der Teig backbereit.

Bei weichem Teig Struktur aufbauen

Wenn dein Teig zu weich wirkt: kein Mehl nachkippen, sondern mit Dehnen und Falten während der Stockgare arbeiten. 2 bis 4 mal alle 30 bis 45 Minuten. Das gibt dem Teig Struktur ohne ihn auszutrocknen.

Wenn der Teig suppig wird

Wenn dein Teig im Verlauf der Gare flüssig wird oder zerläuft, sind oft pH-Wert und Proteasen die Ursache. Zu viel Säure aktiviert Proteasen, die das Gluten abbauen, und der Teig kollabiert.

Gegensteuern:

Dehnen und Falten bei Sauerteibrot
Statt Mehl nachzukippen baut Dehnen und Falten Struktur im weichen Teig auf.

Wenn das fertige Brot zu kompakt ist

Du hast gebacken, aber das Brot ist dichter als erwartet, mit feuchter Krume oder zu wenig Porung?

Weizen- oder Dinkelbrot mit unregelmäßiger Krume

Ursache: Untergare. Der Teig wurde zu früh geformt und/oder zu früh gebacken und konnte sich nicht vollständig entwickeln. Du erkennst das an unregelmäßigen Hohlräumen (Tunnelbildung) neben dichten Bereichen.

Lösung:

Weizensauerteigbrot mit Untergare. Der Teig wurde zu früh geformt und gebacken und konnte sich nicht vollständig entwickeln.
Weizensauerteigbrot mit dichter Krume und unregelmäßigen Hohlräumen durch unreifen Teig.

Roggenbrot geht nicht auf, Krume bleibt dicht

Ursache: Zu wenig Säure im Vorteig, schwacher Sauerteig, zu kurze Reifezeit.

Lösung: Starter-Anteil erhöhen auf 30 bis 40 %, kühler und länger führen, bei Vollgare sofort backen.

Roggenbrot mit dichter Krume aufgrund eines zu schwachen Sauerteigs.
Roggenmischbrot mit dichter Krume durch zu wenig Säure oder zu schwacher Sauerteig.

Krume mit großen Hohlräumen aber dicht

Ursache: Zu milder Sauerteig mit zu wenig Säure, eventuell Amylasen-Aktivität, Untergare.

Lösung: Starter auf 30 bis 40 % erhöhen, wärmer führen (28 bis 30 Grad), Gare nach Volumen und Rissen beurteilen und gut ausbacken.

Roggenbrötchen mit fehlerhaftem Krumenbild.
Roggenbrötchen mit dichter Krume und großen Hohlräumen durch zu milden Sauerteig und Untergare.

Krume ist schmierig und klebt an den Zähnen

Ursache: Oft zu viel Amylase im Mehl (besonders bei Roggen) oder zu warme Führung. Amylasen bauen die Stärke übermäßig ab.

Lösung:

Sauerteig geht nicht auf, trotzdem backen?

Die ehrliche Antwort: Ja, oft geht das. Hier sind drei Notfall-Strategien.

Brotteig schwach aber formbar

Wenn dein Teig keine gute Spannung hat, aber sich noch formen lässt:

Kruste und Geschmack werden trotzdem gut, nur die Krume wird dichter.

Übergare (Teigling fällt ein)

Wenn dein Teig schon zusammenfällt:

Fürs nächste Mal: Kühler führen oder Starter-Anteil reduzieren und/oder früher kühlen bei der Kühlschrankgare.

Starter tut gar nichts

Wenn dein ASG einfach komplett verweigert:

Wann musst du wirklich neu anfangen?

In diesen Fällen ist dein ASG nicht mehr zu retten und du musst neu züchten:

  • Schimmel: Pelzige, flauschige Flecken in Weiß, Grün, Schwarz oder Blau auf der Oberfläche oder am Glasrand
  • Faulig-modriger Geruch: Riecht nicht mehr nach Sauerteig, sondern muffig oder verdorben
  • Rosa Verfärbung: Deutet auf gefährliche Bakterien hin

Wichtig: Eine dünne weiße Haut an der Oberfläche ist meist nur Kahmhefe und kann abgehoben werden. Das ist nicht gefährlich. Wie du einen neuen Sauerteig züchtest, erfährst du in meinem Beitrag Sauerteig ansetzen.

Anschnitt eines lockeren Weizensauerteigbrotes auf einem Holzbrett, das die grobe Porung der Krume und die knusprige Kruste zeigt, gebacken ohne Knetmaschine nach einem einfachen Anfänger-Rezept.
So sieht ein gelungenes Sauerteigbrot aus: Mit der richtigen Pflege deines Starters wird so auch dein Ergebnis.

Damit es beim nächsten Mal klappt

Prävention ist besser als Reparatur. Hier sind meine drei wichtigsten Vorbeugungs-Strategien.

Regelmäßige Pflege deines Anstellguts

Ein gut gepflegtes ASG ist die halbe Miete. Wenn du dein ASG einmal pro Woche fütterst, ist es immer einsatzbereit. Wie meine Pflege-Routine aussieht, zeige ich in Sauerteig füttern.

Auffrischung vor dem Backen einplanen

Wenn dein ASG länger als 1 Woche im Kühlschrank stand, plane mindestens 1 bis 2 Auffrischungen ein, bevor du backst. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern professionelle Routine. Wie es richtig geht, erkläre ich in Sauerteig auffrischen.

Reifezeichen lesen lernen

Verlass dich nie nur auf die Uhrzeit. Lerne, deinen Sauerteig zu lesen:

Häufige Fragen

Warum geht mein Sauerteig nicht auf, obwohl ich ihn füttere?

Meist fehlen Wärme oder das Timing. Stelle dein ASG bei 26 bis 28 Grad auf, füttere im Verhältnis 1:5:5 und nutze es erst am Peak (sichtbar gewölbt, viele feine Bläschen, fruchtig-milchsauer riechend).

Wie lange dauert es, bis Sauerteig aufgeht?

Bei 26 bis 28 Grad verdoppelt sich ein fitter Starter in 4 bis 8 Stunden. Wenn er kühler steht oder länger ungefüttert war, dauert es deutlich länger. Bei lange vergessenem ASG plane 2 bis 3 Auffrischungen mit jeweils 6 bis 12 Stunden ein.

Kann ich backen, wenn der Sauerteig nicht aufgeht?

Ja. Nimm eine Kastenform als Stütze und backe direkt, das gibt ein kompaktes aber sauberes Brot. Oder nutze den Hybrid-Notfall mit 0,1 bis 0,2 % Frischhefe (0,5 bis 1 g auf 500 g Mehl). Den Starter parallel warm auffrischen für das nächste Backvorhaben.

Mein Teig ist weich und läuft breit, was tun?

Struktur aufbauen statt Mehl nachkippen. Während der Stockgare 2 bis 4 mal dehnen und falten, später straff formen. Beim Backen eventuell in einer Form arbeiten. Fürs nächste Mal Wasser um 1 bis 2 % reduzieren.

Welche Temperatur ist ideal?

ASG: 26 bis 28 Grad. Weizen- und Dinkelteige: 24 bis 26 Grad. Roggenteige: 28 bis 30 Grad (warme Schnellführung). Kühlschrankgare: 4 bis 6 Grad. Dauerhaft über 30 Grad solltest du dein Anstellgut nicht führen, dann übernehmen die Milchsäurebakterien und der Trieb bleibt zurück.

Was mache ich mit meinem Sauerteig im Sommer?

Kühler führen und früher nachschauen. Bei über 30 Grad Raumtemperatur ist dein Anstellgut oft schon nach 1,5 bis 2 Stunden am Peak statt nach 4 bis 6. Setze es mit kaltem Wasser an, stell es an den kühlsten Ort in der Wohnung, und wenn es sehr heiß ist, nutze den Kühlschrank. Ein größeres Fütterungsverhältnis wie 1:10:10 verlangsamt die Reifung zusätzlich.

Spielt Wasserhärte eine Rolle?

Ja. Sehr weiches Wasser kann das Glutengerüst schwächen. Teste 10 bis 20 g stilles, calciumhaltiges Mineralwasser pro 500 g Mehl. Bei starkem Chlor in der Leitung gefiltertes oder abgekochtes Wasser nutzen.

Fingertest bei Roggen?

Nein, der Fingertest funktioniert bei Roggen nicht zuverlässig, weil Roggen kein elastisches Glutengerüst hat. Beurteile die Reife stattdessen nach Volumenzunahme und feinen Rissen auf der bemehlten Oberfläche (0,5 bis 1 cm breit). Roggen reift auch generell schneller als Weizen.

Woran erkenne ich einen überreifen Starter?

Er ist eingefallen und riecht stechend oder acetonartig. Lösung: 1 bis 2 warme Auffrischungen bei 26 bis 28 Grad im Verhältnis 1:5:5, dann erst wieder am Peak verwenden.

Macht Zucker, Fett oder viel Salz Probleme?

Ja, in hoher Menge schon. Bei angereicherten Teigen mit Autolyse arbeiten: zuerst nur Mehl und Wasser 20 bis 45 Minuten ruhen lassen, dann Starter und Salz, später Fett und Zucker zugeben. So kann sich das Gluten in Ruhe aufbauen.

Meine Krume ist schmierig und klebt, was steckt dahinter?

Oft zu viel Amylase im Mehl oder zu warme Führung. Lösung: andere Mehlcharge testen, kühler und saurer führen (besonders bei Roggenmehl), Brot gut ausbacken, und nach dem Backen mindestens 12 Stunden auskühlen lassen vor dem Anschneiden.

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