Worauf es bei Pizza mit Sauerteig ankommt
Ich gebe zu, ich war lange Zeit Team wenig Hefe oder Lievito Madre. Doch dann habe ich mich auf das Abenteuer Sauerteig-Pizza eingelassen, und der Geschmack ist den kleinen Mehraufwand wert, der kaum größer ist als bei anderen Teigen. Was eine gute Pizza ausmacht, ist vor allem der Teig, mehr noch als Belag oder Tomatensauce. Mit mildem Weizensauerteig (Levain) bekommt er eine leicht rustikale Kruste mit komplexem Aroma, ganz ohne Hefe. Er wird außerdem viel bekömmlicher und sorgt für ein volles, aber angenehmes Sättigungsgefühl.
Knusper-Tipp für einen luftigen Rand: Backe heiß, belege dünn. Viele Pizzen werden weich, weil sie nicht genug Hitze von unten bekommen. Heize deinen Backstahl oder Pizzastein richtig gut auf der maximalen Ofentemperatur vor. Belege die Pizza eher sparsam und bitte nicht den Rand. So bekommt der Boden den nötigen Hitzeschock, der Rand poppt schön auf, und deine Pizza aus Sauerteig wird luftig und knusprig. Du willst eine extra knusprige Pizza? Dann arbeite sie doch mal mit Hartweizengrieß statt Hartweizenmehl auf.

Pizzateig mit Sauerteig: einfach, bekömmlich & voller Geschmack
Wenn du denkst, Sauerteig sei nur etwas für Profi-Bäcker, lass mich dich vom Gegenteil überzeugen. Ein Pizzateig mit Sauerteig ist überraschend unkompliziert. Er verzeiht kleine Fehler, und die Zeit übernimmt die meiste Arbeit für dich. Die lange Teigführung von 24 bis 48 Stunden macht den Teig aromatisch und zugleich gut bekömmlich. Während der langen Reife bauen die Sauerteigkulturen einen Teil der fermentierbaren Kohlenhydrate (FODMAP) ab, die sonst schwer im Bauch liegen. Auch das Klebereiweiß wird teilweise abgebaut. Für viele liegt so eine Pizza deutlich leichter im Magen. Glutenfrei wird sie dadurch nicht, für Menschen mit Zöliakie ist sie nicht geeignet. Das Ergebnis ist eine leichte, luftig-krosse Kruste, die innen weich und saftig bleibt. Kurz: Pizzeria-Gefühl zu Hause, ohne Spezialofen.
Sauerteig-Pizza auf Vorrat backen (eigene Tiefkühlpizza)
Du möchtest deine Sauerteig-Pizza gut in deinen Alltag integrieren? Dann nutze die Vorback-Methode. Backe die geformte und nur mit Tomatensauce belegte Pizza je nach Hitze und Backofen etwa 3 bis 4 Minuten im heißen Ofen vor. Nimm sie anschließend heraus und entscheide, wie es weitergeht:
Pizza auf Vorrat: Lass die vorgebackene Pizza vollständig auskühlen. Du kannst sie dann ohne Qualitätsverlust einfrieren und so deine eigene Tiefkühlpizza herstellen. Bei Bedarf einfach auftauen, belegen und fertig backen, ideal für spontanen Pizzagenuss.
Sofort genießen: Beleg sie mit Käse und was dir schmeckt und backe die Pizza fertig.


Sauerteig-Pizza Schritt für Schritt: so gelingt sie zuverlässig
Du brauchst keinen Steinofen oder teure Profi-Ausrüstung, um eine gute Sauerteig-Pizza zu backen. Alles, was du brauchst, ist ein Ofen mit Backstahl, Pizzastein oder Backblech und ein wenig Geduld. Ich zeige dir, wie du den Sauerteig für Pizza richtig aktivierst, einen guten Pizzateig herstellst und die Teiglinge so formst, dass die Luft im Rand bleibt. Mit der richtigen Hitze aus dem Ofen poppt deine Sauerteig-Pizza schön auf, mit knuspriger Kruste, luftigem Rand und vollem Aroma wie beim Lieblings-Italiener.
Sauerteig aktivieren, der Starter ist die Basis für deinen Ofentrieb
Dein Sauerteig für Pizza sollte mild und triebstark sein. Füttere ihn 1 bis 2 Mal warm (26 bis 28 °C), zum Beispiel 1:2:2 bis 1:1:1 (Anstellgut:Mehl:Wasser), und nutze ihn am Peak, dann hat er die größte Triebkraft. Dann ist er sichtbar gewölbt, mit vielen feinen Bläschen durchzogen, hat sein Volumen deutlich verdoppelt und riecht angenehm milchsauer. Das gibt dir planbaren Trieb und ein mildes, rundes Aroma.
Teigspannung aufbauen
Nach der Autolyse den Teig gut auskneten. Dann 60 Minuten bei Raumtemperatur ruhen lassen und in dieser Zeit einmal dehnen und falten. So baut er Spannung auf, wird elastisch und lässt sich nach der Reifezeit schön dünn ausziehen, ohne zu reißen.
Reife und Formen: der Schlüssel zum luftig-krossen Pizzarand
Teiglinge portionieren und straff rundschleifen, dann weitere 60 Minuten bei Raumtemperatur entspannen lassen. Anschließend abgedeckt 24 bis 48 Stunden im Kühlschrank (5 bis 7 °C) reifen. Das bringt Tiefe ins Aroma und macht den Teig gut formbar. Am Backtag etwa eine Stunde bei Raumtemperatur akklimatisieren lassen und zum Formen nur die Luft von der Mitte nach außen drücken, bitte nicht ausrollen. So bleiben die Gärgase im Rand, und es entsteht der luftig-krosse Cornicione, dieser schön aufgegangene, knusprige Rand, der innen weich bleibt.
Die richtige Hitze: So poppt der Pizzarand auf
Der Schlüssel zur knusprig-luftigen Kruste ist maximale Hitze. Heize deinen Backstahl oder Pizzastein im zweiten Einschub von oben 30 bis 60 Minuten bei maximaler Temperatur vor (Ober-/Unterhitze). Keine Sorge, wenn dein Ofen nur 250 °C schafft, du kannst kurz vor dem Backen die Grillfunktion zuschalten.
Wichtige Richtwerte:
- Temperatur: 280 bis 300 °C Ober-/Unterhitze (oder so heiß wie möglich)
- Backzeit: 5 bis 7 Minuten
- Mein Tipp: Belege die Pizza sparsam (weniger ist mehr), damit der Boden den Hitzeschock bekommt und nicht durchweicht.
Kein Backstahl? Kein Problem. Das umgedrehte, lange vorgeheizte Backblech funktioniert als Hitzespeicher überraschend gut.

Häufige Fragen rund um Sauerteig-Pizza
Du hast noch Fragen? Schön, das ist genau der richtige Weg, um tiefer ins Backen einzusteigen. Ich habe die häufigsten Fragen rund um Sauerteig für Pizza hier gesammelt, von der richtigen Mehlwahl über die Reifezeiten bis zu den Kniffen für eine knusprige Kruste. So gehst du sicher an deine nächste Pizza.
Die knusprige Kruste gelingt nur bei hoher Hitze. Heize deinen Ofen mit Backstahl oder Pizzastein auf die höchstmögliche Temperatur vor (meist 250 bis 300 °C) und schiebe die belegte Pizza direkt auf den heißen Stein. So bekommt der Boden den nötigen Hitzeschock und wird extra knusprig.
Ja. Nimm ein helles Dinkelmehl Type 630 statt des Weizenmehls und halte beim Wasser etwas zurück, weil Dinkel die Flüssigkeit schlechter halten kann. Knete kürzer und verkürze die Autolyse auf 20 bis 30 Minuten, der Dinkelkleber ist empfindlicher. Der Boden wird etwas weniger luftig und rustikaler, dafür schön aromatisch. Wenn du dich herantasten willst, ersetze zuerst die Hälfte des Weizenmehls durch Dinkel.
Backstarke Weizenmehle wie italienisches Pizzamehl Tipo 00 oder Tipo 0 sind ideal, oder deutsches Weizenmehl Type 550 plus ein kleiner Anteil Manitoba oder Hartweizen für Extra-Stretch. Für rustikale Noten gern 10 bis 20 % Vollkornmehl beimischen.
Der komplette Vorteig, also rund 200 g. Den setzt du aus 40 g Anstellgut, 80 g Wasser und 80 g Mehl an, und die ganze reife Menge wandert in den Hauptteig.
Besser nicht. Frisch deinen Sauerteig lieber auf und nutze ihn am Peak. So wird der Pizzateig zuverlässig locker.
Ja. Nimm dein Roggen-Anstellgut statt Weizen und folge dem Rezept. Der Geschmack wird kräftiger und rustikaler. Verwende für den Hauptteig unbedingt backstarkes Weizenmehl, damit der Boden dehnbar bleibt. Und halte die kalte Gare bei maximal 24 Stunden, weil Roggensauerteig mehr Säure bildet und der Geschmack sonst zu sauer kippt.
Bei diesem Rezept nicht. Wenn du es planbarer magst oder keinen ganz fitten Starter hast, kannst du 0,05 bis 0,1 % Hefe (0,3 bis 0,6 g Frischhefe) ergänzen. Das Aroma bleibt sauerteigtypisch.
Für das volle Aroma 24 bis 48 Stunden kalt reifen lassen (5 bis 7 °C). Kürzer geht auch, ist aber weniger aromatisch.
a, viele vertragen sie spürbar besser. Vor allem baut die lange Reife einen Teil der fermentierbaren Kohlenhydrate (FODMAP) ab, die sonst schwer im Magen liegen. Das Klebereiweiß wird teilweise mit abgebaut. Ein glutenfreies Lebensmittel wird sie dadurch nicht.
Ober-/Unterhitze maximal vorheizen (Backstahl 45 bis 60 Minuten), Teiglinge erst kurz vor dem Backen formen, Belag sparsam, im zweiten Einschub von oben backen, zum Finish bei Bedarf 1 bis 2 Minuten Grill.
1. Starter war nicht fit. Füttere ihn 1 bis 2 Mal warm (26 bis 28 Grad), zum Beispiel 1:2:2, und nutze ihn am Peak (sichtbar gewölbt, viele Bläschen, Volumen deutlich verdoppelt). Wenn du unsicher bist, ob dein Starter fit ist, hilft dir mein Guide zum Sauerteig ansetzen für Anfänger.
2. Kaltgare zu kalt oder zu kurz. Bei 5 bis 7 °C reift der Teig langsam, das ist gewollt. Passiert gar nichts, ist der Kühlschrank oft zu kalt (unter 5 °C) oder die Zeit zu kurz. Gib dem Teig 24 bis 48 Stunden. Wichtig: Lass den Teig nach dem Mischen und Falten ca. 60 Minuten bei Raumtemperatur anspringen und forme ihn dann. Nach dem Formen weitere 60 Minuten bei Raumtemperatur reifen lassen, erst dann in den Kühlschrank (ca. 5 bis 7 °C).
3. Start-Teigtemperatur und Timing. Nach dem Mischen Ziel-Teigtemperatur ca. 23 bis 24 °C. Ist der Teig deutlich kühler, bremst das die Aktivität. Beurteile die Reife nicht nur an der Uhr, sondern an Zeichen: Teiglinge wirken entspannt, elastisch, zeigen Gasblasen, dann backen (Backstahl maximal vorheizen). Optional für Planbarkeit 0,05 bis 0,1 % Hefe (0,3 bis 0,6 g Frischhefe) ergänzen, das Aroma bleibt sauerteigtypisch.
Ja, das geht gut, wenn du deine eigene Tiefkühlpizza machen möchtest. Backe die Pizza nur mit Tomatensauce belegt 3 bis 4 Minuten vor, lass sie vollständig auskühlen und friere sie luftdicht verpackt ein. Zum Verzehr frisch belegen und fertig backen. Rohe Teiglinge kann man auch einfrieren, allerdings verlieren sie dabei oft Triebkraft. Ich empfehle dir die Vorback-Methode.
Mehr Rezepte mit Sauerteig
Diese Sauerteig-Pizza ist mein Lieblingsrezept, wenn ich Lust auf echte Pizza habe, mit viel Reifezeit, Geschmack und komplexen Aromen. Der Duft, wenn sie aus dem Ofen kommt, die knusprige Kruste, der luftige Rand und der aromatische Teig: für mich kommt da keine schnelle Hefe-Pizza mit. Wenn du auch gern mit Sauerteig und Pizza arbeitest, willst du wahrscheinlich nie wieder anders backen. Wenn du noch keinen Sauerteig hast, findest du hier meine bewährte Anleitung: Sauerteig ansetzen.
Und falls du Lust auf mehr Sauerteig hast: Probier auch mein Sauerteig-Baguette, die Sauerteig-Focaccia oder mein einfaches Weizensauerteigbrot, sie sind genauso mild, aromatisch und mit dem typischen Sauerteig-Charakter.

















6 Kommentare
Katrin
Ich habe dieses Rezept notgedrungen mit Weizenmehl 550 ausprobiert und eine mega Pizza rausbekommen 🤩
Vielen Dank für das Rezept!!
Sonja
Liebe Katrin,
das freut mich riesig, deine Pizza ist wirklich toll geworden!
Liebe Grüße Sonja
Anna Fuchs
Hallo, wieviel sauerteig kommt denn genau rein. Aufgefrischt habe ich jetzt 200 g. LG Anna
Sonja
Hallo,
die ganzen 200 g kommen in den Teig.
LG Sonja
Elli
Ich backe viel mit Roggensauerteig. Funktioniert das auch damit?
Es klingt sooo lecker und ich möchte es gerne ausprobieren.
Sonja
Hallo!
Ja, das funktioniert! Du verwendest einfach dein Roggen-ASG anstelle von Weizen-ASG und folgst dem Rezept wie beschrieben. Das Weizenmehl im Auffrisch-Schritt verdünnt den Roggenanteil zusätzlich.
Ein paar Hinweise, damit du nicht enttäuscht wirst:
Der Geschmack wird anders als mit Weizensauerteig – kräftiger und rustikaler. Wenn du das magst, wirst du die Pizza lieben. Wenn du einen milden Pizzateig erwartest, könnte es dir zu intensiv sein.
Das Mehl: Verwende für den Hauptteig unbedingt backstarkes Weizenmehl (wie im Rezept), damit der Boden dehnbar bleibt.
Die Säure im Griff behalten: Roggensauerteig bildet bei langer kalter Gare deutlich mehr Säure. Halte die kalte Gare daher bei maximal 24 Stunden – länger kippt der Geschmack zu sehr ins Saure.
Wenn du diese Punkte beachtest, bekommt die Pizza eine tolle rustikale Note!
Alternativ kannst du einen etwas Roggensauerteig einfach einige Male mit Weizenmehl auffrischen, bevor du das Rezept ausprobierst, dann bist du auf der sicheren Seite.
Liebe Grüße
Sonja