Omas Rezept und die Varianten in der Familie
Nach Omas Originalrezept kommt Kassler in die Suppe, und dabei bleibe ich bis heute. Das Nackenstück wird gewürfelt und mit der Zwiebel angebraten, bevor die Brühe dazukommt. Sein Fett aromatisiert die Suppe von Anfang an.
Meine Tante kocht dieselbe Suppe nach DDR-Rezept und reicht Knacker dazu, statt das Fleisch mitzukochen. Speck oder Würstchen funktionieren genauso.
Und das Abschmecken mit einem Schuss Essig und etwas Zucker kenne ich von meiner Schwiegermutter. Bei uns macht das jeder selbst am Tisch, weil nicht alle es mögen.
Welche Linsen und wie viel du brauchst
Für die klassische Linsensuppe nehme ich Tellerlinsen. Das sind flache, braune Linsen mit sechs bis sieben Millimetern Durchmesser. Sie behalten beim Kochen ihre Form und werden nicht matschig.
Andere braune Linsen funktionieren genauso. Rote Linsen dagegen zerfallen nach zehn Minuten vollständig, für eine deftige Suppe mit Biss sind sie die falsche Wahl. Wenn du es cremig magst, findest du bei mir eine eigene Suppe aus roten Linsen.
Für vier Portionen rechne ich mit 250 Gramm getrockneten Linsen auf einen Liter Brühe. Das ergibt eine dicke Suppe, in der der Löffel fast stehen bleibt. Durch die Kartoffeln wird sie so sättigend, dass viele sie eher Linseneintopf nennen würden. Wenn du es dünner magst, nimm einen Viertelliter Brühe mehr.
Und rechne damit, dass die Suppe am nächsten Tag noch dicker ist. Linsen ziehen über Nacht weiter Flüssigkeit, beim Aufwärmen gibst du einfach etwas Brühe nach.
Muss man Linsen einweichen? Nein, Tellerlinsen und braune Linsen musst du nicht einweichen. Sie brauchen dann etwa 30 Minuten Kochzeit statt 20. Wenn du Hülsenfrüchte schlecht verträgst, hilft Einweichen trotzdem. Die schwer verdaulichen Stoffe gehen dabei ins Wasser über, das du danach weggießt. Über Nacht in reichlich Wasser reicht.
Wie die Linsensuppe Geschmack bekommt
Linsen schmecken erdig und ohne Hilfe schnell stumpf. Was ihnen fehlt, sind Würze und Säure, und beides kommt zu unterschiedlichen Zeitpunkten dazu.
Womit würze ich Linsensuppe?
Majoran ist das wichtigste Gewürz und für mich unverzichtbar. Er passt zu Hülsenfrüchten wie kaum ein anderes Kraut und gibt der Suppe die Richtung. Sein Aroma ist flüchtig, deshalb kommt er bei mir erst mit den Kartoffeln in den Topf und nicht schon zu Beginn.
Das Lorbeerblatt zieht dagegen von Anfang an mit. Es bringt eine leicht harzige Tiefe, die man einzeln nicht heraussschmeckt, die aber fehlt, wenn sie nicht da ist. Ein Blatt reicht für den ganzen Topf.
Schwarzer Pfeffer kommt zum Schluss, frisch gemahlen. Wer es kräftiger mag, nimmt Kümmel dazu, das ist besonders in Süddeutschland verbreitet und macht Hülsenfrüchte nebenbei bekömmlicher. Thymian passt ebenfalls, geht aber schnell in Richtung mediterran.
Was ich weglasse, sind fertige Gewürzmischungen. Sie enthalten fast immer Salz, und dann bekommst du die Suppe später nicht mehr richtig abgeschmeckt.
Warum Essig in die Linsensuppe gehört
Ein Schuss Essig macht den Unterschied. Er nimmt der Suppe die Schwere und lässt sie lebendiger schmecken. Ich nehme Rotweinessig oder Balsamico, einen Esslöffel auf den Topf, und schmecke dann nach. Wer es nicht kennt, ist überrascht, wie viel das ausmacht.
Der Essig kommt immer erst am Ende dazu. Mitgekocht verliert er seine Frische und die Säure wird flach.
Der Zucker gleicht sie wieder aus. Eine Prise reicht, sie soll die Suppe abrunden. In manchen Gegenden heißt sie deshalb süß-sauer, und wer sie so kennt, gibt deutlich mehr von beidem hinein. Bei uns macht das jeder selbst am Tisch.
Das Kassler als Geschmacksträger
ein Fett aromatisiert die Suppe von Anfang an, deshalb brate ich es mit der Zwiebel an, bevor die Brühe dazukommt. Das ist der Schritt, der den Unterschied zwischen einer guten und einer flachen Linsensuppe ausmacht.
Wer vegetarisch kocht, verliert genau diese Tiefe. Ein halber Teelöffel geräuchertes Paprikapulver bringt sie am ehesten zurück.
Wann salzen?
Mit dem Salz warte ich bis zum Schluss. Kassler und Brühe bringen bereits viel mit, und was einmal drin ist, bekommst du nicht wieder heraus.
Es hält sich hartnäckig, dass Salz die Linsen hart werden lässt. Das stimmt so nicht, entscheidend ist die Kochzeit. Der eigentliche Grund fürs späte Salzen ist ein anderer: Du kannst die Suppe sonst nicht mehr korrigieren.

Die häufigsten Fehler bei Linsensuppe
Zu früh gesalzen: Kassler und Fleischbrühe bringen beide Salz mit. Wer am Anfang salzt, hat am Ende eine Suppe, die sich nicht mehr korrigieren lässt. Ich salze erst, wenn alles gar ist.
Kartoffeln und Möhren zu früh in den Topf: Das ist mir selbst passiert: Ich habe einmal alles zusammen aufgesetzt, weil es schneller gehen sollte. Am Ende waren die Kartoffeln und Möhren zerkocht und die Suppe war ein Brei ohne Stücke. Die Linsen brauchen dreißig Minuten, Kartoffeln und Möhren nur zehn bis fünfzehn. Deshalb kommen sie erst in der zweiten Hälfte der Kochzeit dazu.

Mein Tipp
Wenn die Suppe zu dick geworden ist, gib heiße Brühe nach statt kaltes Wasser. Kaltes Wasser stoppt das Köcheln und verwässert gleichzeitig den Geschmack.
Wie Linsensuppe anderswo gekocht wird
Bei uns kommt Kassler hinein, weil Oma es so gemacht hat. Aber das ist nur eine von vielen Versionen.
In Sachsen und im Erzgebirge gehören Knacker dazu, so kenne ich es von meiner Tante. In vielen Familien wird die Suppe dort süß-sauer abgeschmeckt, mit deutlich mehr Essig und Zucker, als ich es mache.
In Schwaben gibt es Linsen mit Spätzle und Saitenwürstchen, traditionell an Karfreitag. Streng genommen ist das ein Eintopf mit Beilage.
Im Rheinland wird die Suppe oft mit einer Mehlschwitze gebunden, dadurch wird sie cremiger und dicker.
An Silvester gibt es sie in vielen Familien. Linsen sehen aus wie kleine Münzen, und wer sie zum Jahreswechsel isst, soll im neuen Jahr nicht knapp bei Kasse sein. Das ist ein alter Brauch, den es in ähnlicher Form auch in Italien gibt.
Am Ende schmeckt jede Linsensuppe so, wie man sie von zu Hause kennt. Deshalb wird sie in dem einen Haushalt süß-sauer abgeschmeckt und im nächsten gar nicht.

Was dazu passt
Brot. Bei uns steht immer ein Kanten daneben, weil die Suppe dick ist und man mit dem Löffel allein nicht weit kommt.
Am besten passt etwas Kräftiges mit Kruste. Bei uns gibt es dazu meistens mein Mischbrot mit Sauerteig, das hält geschmacklich gegen das Kassler und die Säure der Suppe. Weißbrot geht auch, verschwindet aber daneben.
Wenn du noch nie Brot gebacken hast und trotzdem etwas Selbstgemachtes dazu möchtest, sind meine Wurzelbrötchen der einfachste Einstieg. Sie brauchen keine Knetmaschine und kein Formen.
Wer es sättigender braucht, gibt Spätzle dazu, so wie es in Schwaben üblich ist.
Häufige Fragen
Es gibt keinen festen. Beides bezeichnet dasselbe Gericht, der Sprachgebrauch ist regional verschieden.
Wenn überhaupt unterschieden wird, dann über die Konsistenz: Ein Linseneintopf ist dicker und enthält mehr feste Zutaten, eine Suppe ist flüssiger. Meine Version mit Kartoffeln liegt beim Eintopf, wer es dünner mag, gibt einfach mehr Brühe dazu.
Für cremig pürierst du einen Teil der Suppe und rührst ihn wieder unter. Das geht ohne Zusatz, weil Linsen und Kartoffeln von selbst binden.
Für dicker nimmst du einfach weniger Brühe. Und rechne damit, dass sie am nächsten Tag ohnehin dicker ist, weil die Linsen weiter Flüssigkeit ziehen.
Tellerlinsen oder braune Linsen. Sie behalten beim Kochen ihre Form.
Grüne Linsen wie Puy-Linsen funktionieren ebenfalls, sie sind etwas feiner im Aroma. Rote Linsen zerfallen dagegen vollständig, für eine deftige Suppe sind sie die falsche Wahl.
Sie ist eine Hauptmahlzeit, plane sie auch so ein.
Linsen liefern pflanzliches Eiweiß, Ballaststoffe und Eisen, das ist die gute Seite. Kassler, Fleischbrühe und die Menge machen sie gleichzeitig gehaltvoll. Ein großer Teller liegt bei etwa 430 Kalorien.
Wenn du sie leichter möchtest, lass das Kassler weg und nimm Gemüsebrühe.
Linsen liefern viele Ballaststoffe, und die sind Futter für die Darmbakterien. Gleichzeitig sind Hülsenfrüchte für manche schwer verdaulich, vor allem wenn man sie selten isst.
Wenn du empfindlich bist, hilft dreierlei: die Linsen über Nacht einweichen und das Wasser weggießen, Kümmel mitkochen, und mit kleineren Portionen anfangen. Der Körper gewöhnt sich daran.
Ja. Nimm Gemüsebrühe statt Fleischbrühe und geräucherten Tofu oder Tempeh statt Kassler.
Was fehlt, ist die rauchige Tiefe vom Fleisch. Ein halber Teelöffel geräuchertes Paprikapulver gleicht das gut aus.
Im Kühlschrank 2–3 Tage, abgedeckt. Sie schmeckt am nächsten Tag oft besser, weil die Aromen durchgezogen sind.
Erwärme sie langsam bei mittlerer Hitze und rühre gelegentlich um. Über Nacht wird sie dicker, gib beim Aufwärmen etwas Brühe nach. Einfrieren funktioniert auch, portionsweise.
Cremig statt deftig: Rote Linsensuppe
Alle Suppen und Eintöpfe: meine Rezepte





22 Kommentare
Martina
Na das ist ja mal ein Sattmacher – klingt lecker!
Liebste Grüße von Martina
Sylvia von Brotwein
Klassische Suppen wie bei Oma haben immer Saison! Linsensuppe sollte ich auch mal wieder kochen. Lieben Gruß Sylvia
Gabi
Weil meine Oma und die Mama keine Linsen mochten, gabs die bei uns nie. Ich mag rote Linsen und werden deine Klassiker-Version jetzt auch mal ausprobieren 😉
Daniela Wick
Hmm, was für ein toller Klassiker – hört sich sehr lecker an.
Julie
Ein tolles Rezept! Werde ich bald nachkochen…
Simone von zimtkringel
Großartig! Solche Klassiker gehen bei uns immer und dein Rezept sieht toll aus!
Liebe Grüße
Simone
Marie-Louise
Hejhej!
Dein Rezept klingt wirklich gut, ich liebe so Klassiker ja sehr! : )
Ganz liebe Grüße aus Kassel
Marie-Louise
Ina
Hach, das sieht einfach gut aus! Kindheitserinnerungen pur und so schön in Szene gesetzt!
Einen schönen Sonntag dir und viele Grüße aus Kanada!
Ina
Volker
Hallo Sonja,
die sieht genau so aus, wie eine Linsensuppe aussehen sollte. Deftig, wärmend, lecker!
Kommt ganz weit nach oben auf der Liste zum nachmachen.
LG Volker
cookieundco
Lieber Volker,
ich mag Linsensuppe auch am liebsten schön deftig- da werden Kindheitserinnerungen wach. 🙂
Liebe Grüße,
Sonja
Juliane
Ein leckerer Klassiker und sehr schön in Szene gesetzt!
cookieundco
Vielen lieben Dank 🙂
Kathrina
Liebe Sonja,
ich liebe Linsen mittlerweile total und esse Linsensuppe wirklich sehr gerne. Die gibt es bei traditionell mit Spätzle an Karfreitag und dann die Reste am Samstag (dann mit Würstchen). Deine Linsensuppe sieht auf jeden Fall super lecker aus. Vielen Dank, dass du das Rezept deiner Oma mit uns teilst.
Liebe Grüße,
Kathrina
cookieundco
Vielen lieben Dank für deinen lieben Kommentar!
Wenn Linsen gut zubereitet werden, sind sie wirklich total lecker. 🙂
Herzliche Grüße,
Sonja
Diana
Suppen wie von Oma schmecken immer am besten! Sieht sehr sättigend aus.
LG, Diana
cookieundco
Da stimme ich dir absolut zu! 🙂
Viele Grüße,
Sonja
Yvonne
Liebe Sonja,
die Suppe köchelt gerade auf dem Herd, es duftet verführerisch und ich weiß, dass sie super lecker ist – habe ja abgeschmeckt 😉. Bin gespannt, was meine Family dazu sagt – zu meiner ersten Linsensuppe. Wir kennen Linsensuppe traditionell süß-sauer.
Vielen Dank, für das sehr ansprechend gestaltete Rezept, bei dem Bild kann man das Essen schon förmlich schmecken…toll finde ich die Druckoption. Wenn ich mehr als zwei Daumen hätte, wären auch die definitiv oben.
cookieundco
Das freut mich sehr! 🙂
Leider war dein Kommentar im Spam Ordner, daher antworte ich erst jetzt. Vielen lieben Dank für für deinen Kommentar!
Herzlichst,
Sonja
Janett
Total einfach und super lecker!
Emma
Die Kombination aus Tellerlinsen, Kassler und der deftigen Brühe klingt einfach köstlich und nach einem echten Klassiker. Besonders gut gefällt mir, dass du auch die Tipps fürs Einweichen der Linsen und das Abschmecken mit Essig und Zucker teilst – so wird die Suppe perfekt nach persönlichem Geschmack. Vielen Dank für das tolle Rezept und die vielen hilfreichen Infos rund um die Linsensuppe!
Liebe Grüße Emma
Anni
Bei uns gab es die Suppe am Wochenende. Hat allen sehr gut geschmeckt, wirklich wie von Oma!
LG Anni
Sonja
Das freut mich, vielen Dank für dein Feedback! 🙂
LG Sonja