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Wurzelbrötchen ohne Kneten

Warum der Teig nicht geknetet wird

Das Klebergerüst entsteht hier über Zeit statt über Maschine. Mehl und Wasser verbinden sich von selbst, das Klebereiweiß quillt, und in zehn bis zwölf Stunden baut sich die Struktur auf, die du sonst in zehn Minuten Kneten erzwingst.

Was der Teig trotzdem braucht, sind zwei Runden Dehnen und Falten, nach 45 und nach 90 Minuten. Das dauert jeweils dreißig Sekunden und gibt dem Teig die Spannung, die er später beim Verdrehen braucht.

Ein Gramm Hefe auf 500 Gramm Mehl

Das sind 0,2 Prozent. In zwei Stunden würde damit nichts passieren, über zehn bis zwölf Stunden reicht es genau. Ein Gramm Frischhefe entspricht etwa einer kichererbsengroßen Kugel.

Im Sommer halbiere ich die Hefe nochmal: Das ist mein eigener Fehler. Ein Gramm klingt nach so wenig, dass man denkt, da kann nichts schiefgehen. Bei warmen Küchentemperaturen war mir der Teig trotzdem mehrfach überreif. Seitdem nehme ich im Sommer 0,5 Gramm, also eine halbe kichererbsengroße Kugel. Und ich gehe bei Wärme nach dem Teig statt nach der Uhr.

Wurzelbrötchen ohne Kneten: rustikal und knusprig

So formst du die Wurzelbrötchen

Gib den Teig nach der Stockgare vorsichtig auf eine gut bemehlte Arbeitsfläche und bemehle ihn auch von oben. Kipp ihn eher heraus, als ihn herauszuziehen.

Teile sechs längliche Stücke ab, am besten mit einer Teigkarte in einem Zug. Drück den Teig vorher nicht flach.

Jedes Stück drehst du drei- bis viermal in sich ein. Dann kommen die Teiglinge in ein bemehltes Bäckerleinen oder Geschirrtuch. Zieh den Stoff zwischen ihnen etwas hoch, damit sie sich gegenseitig stützen und nicht breitlaufen.

Nach der Stockgare wird nicht mehr geknetet: Der Teig kommt am Morgen voller Luftblasen aus der Wanne, und genau die machen später die lockere Krume. Alles, was danach noch passiert, geht deshalb so behutsam wie möglich. Nicht kneten, nicht rundwirken, nicht flach drücken, nicht neu ansetzen. Jeder zusätzliche Handgriff drückt Luft heraus. Abteilen, verdrehen, ins Leinen, mehr nicht.

Wurzelbrötchen ohne Kneten: rustikal und knusprig
Rezept

Wurzelbrötchen ohne Kneten

Sechs rustikale Wurzeln aus einem Teig, der nur zusammengerührt wird. Mit einem Gramm Hefe und Übernachtgare bei Raumtemperatur.
5,0 (2 Bewertungen)
Aktivzeit15 Min
Backzeit25 Min
Gesamt12 Std
Portionen 6 Stück

Zutaten

  • 350 g Wasser
  • 1 g Frischhefe etwa eine kichererbsengroße Kugel
  • 10 g Rübensirup oder Honig
  • 450 g Weizenmehl Type 1050
  • 50 g Roggenmehl Type 1150
  • 10 g sehr weiche Butter oder Olivenöl
  • 12 g Salz
  • optional: 1 TL Brotgewürz

Zubereitung

  1. Die Hefe und den Rübensirup im Wasser auflösen.
    Die restlichen Zutaten hinzugeben und zu einer homogenen Masse vermengen. Der Teig wird nicht geknetet.
    350 g Wasser, 1 g Frischhefe , 10 g Rübensirup, 450 g Weizenmehl Type 1050, 50 g Roggenmehl Type 1150, 10 g sehr weiche Butter, 12 g Salz, optional: 1 TL Brotgewürz
  2. Den Teig abgedeckt in einer leicht geölten Teigwanne oder Schüssel 10–12 Stunden bei Raumtemperatur (20–22 °C) reifen lassen. Dabei nach 45 und nach 90 Minuten dehnen und falten.
  3. Den Teig nach der Stockgare auf eine bemehlte Arbeitsfläche geben und auch von oben bemehlen.
    Sechs längliche, möglichst gleichgroße Teiglinge abteilen.
  4. Die Teiglinge 3–4-mal in sich verdrehen und in ein bemehltes Bäckerleinen oder Geschirrtuch legen. Den Stoff zwischen den Teiglingen etwas hochziehen, damit sie gestützt werden.
  5. Abgedeckt etwa 30–40 Minuten bei Raumtemperatur (20–22 °C) reifen lassen.
  6. Den Backofen rechtzeitig auf 230 °C Heißluft (250 °C Ober-/Unterhitze) vorheizen, am besten zusammen mit einem Backstahl oder Blech.
    Die Teiglinge in den Ofen geben und sofort kräftig schwaden.
    Etwa 25 Minuten backen. Nach 10 Minuten die Ofentür öffnen, um die Feuchtigkeit abzulassen, und die Temperatur bei Bedarf auf 200 °C Heißluft (220 °C Ober-/Unterhitze) reduzieren.
  7. Nach dem Backen sofort mit ein wenig Wasser einsprühen und auf einem Rost auskühlen lassen.
Hinweis
Die Wurzeln bleiben etwa zwei Tage frisch. Am zweiten Tag werden sie im Ofen wieder knusprig.
Kleinere Wurzeln: Teile statt sechs acht Stücke ab, dann wiegen sie etwa 105 statt 140 Gramm. Die Stückgare bleibt gleich, die Backzeit verkürzt sich auf etwa 20 Minuten.
Im Sommer: Bei warmen Küchentemperaturen halbiere ich die Hefe auf 0,5 Gramm. Mir ist der Teig sonst mehrfach überreif geworden.
Mit Lievito Madre statt Hefe: Nimm 30 bis 40 Gramm aufgefrischte Lievito Madre oder ein sehr aktives Anstellgut anstelle der Frischhefe. Löse sie vor dem Mischen im Wasser auf. Die Stockgare läuft dann 10 bis 12 Stunden bei 22 bis 24 Grad, also etwas wärmer als mit Hefe.
Mit Brotgewürz: Ein Teelöffel gibt den Wurzeln eine kräftigere, brotigere Note. Ohne schmecken sie neutraler und passen zu mehr.
Ohne Backstahl: Auf einem Blech funktioniert es auch, dann heize das Blech mit auf und rechne mit ein paar Minuten mehr.
 
Nährwerte pro Stück: ~322 kcal #einfach #roggenmehltype1150 #übernachtgare #weizenmehltype1050 #wenighefe
Wurzelbrötchen ohne Kneten: rustikal und knusprig

Häufige Fragen

Muss der Teig wirklich nicht geknetet werden?

Nein. Die Struktur baut sich in den zehn bis zwölf Stunden Reifezeit von selbst auf.
Was du nicht weglassen solltest, sind die beiden Runden Dehnen und Falten nach 45 und 90 Minuten. Sie geben dem Teig die Spannung, die er beim Verdrehen braucht.

Kann ich die Wurzeln mit Lievito Madre backen?

Ja. Nimm 30 bis 40 Gramm aufgefrischte Lievito Madre oder ein sehr aktives Anstellgut statt der Frischhefe und löse sie vor dem Mischen im Wasser auf.
Die Stockgare läuft dann 10 bis 12 Stunden bei 22 bis 24 Grad. Etwas wärmer als mit Hefe, weil die Madre bei kühleren Temperaturen träge wird.

Kann ich Trockenhefe nehmen?

Ja, ein Drittel der Menge. Bei 1 Gramm Frischhefe sind das etwa 0,3 Gramm, also eine Messerspitze. Trockenhefe kannst du direkt mit dem Mehl vermischen.

Kann ich den Teig im Kühlschrank gehen lassen?

Ja, dafür brauchst du allerdings mehr Hefe: 5 Gramm statt 1 Gramm, weil in der Kälte deutlich weniger passiert.
Lass den Teig eine Stunde bei Raumtemperatur (20 bis 22 Grad) anspringen und falte ihn nach dieser Stunde einmal. Danach kommt er für 10 bis 14 Stunden in den Kühlschrank bei etwa 5 Grad. Am nächsten Tag lässt du ihn eine Stunde bei Raumtemperatur akklimatisieren, bevor du ihn abteilst.

Was ist Brotgewürz und brauche ich es?

Brotgewürz ist eine Mischung, meist aus Fenchel, Anis, Koriander und Kümmel. Es gibt dem Brot eine kräftigere, würzigere Note.
Nötig ist es nicht, deshalb steht es als optional im Rezept.

Wie lange bleiben die Wurzeln frisch?

Etwa zwei Tage. Am Backtag sind sie am knusprigsten, am zweiten Tag noch gut.
Danach werden sie im Ofen wieder knusprig: kurz mit Wasser besprühen und ein paar Minuten aufbacken.

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6 Kommentare

  • nachtbaeckerin

    5 Sterne
    Das sieht sehr lecker aus! <3

  • Die Küchenwiesel

    Die sehen ja echt toll und vor allem auch sch

  • 5 Sterne
    Diese Brötchen sind heute Morgen auf unserem Frühstückstisch gelandet. Den LM hab ich von meiner Schwester geerbt und nach der Auffrischung gestern direkt getestet. Was soll ich sagen… Definitiv Wiederholungsbedarf 🙂 Mega! Jeweils zwei habe ich mit Kümmel und grobem Salz bestreut und zwei mit Käse für unsere Tochter. Hat alles wunderbar geklappt. Die Weltmeister Brötchen werde ich nächstes Wochenende in Angriff nehmen, hab mich bisher mit meinem Sauerteig- Kleinkind noch nicht getraut 😉 Und für heute Abend geht das Ruchbrot mit Malzbier schon vor sich hin…

    • A
      cookieundco

      Klasse, das freut mich sehr! Weiterhin viel Spaß und Erfolg beim Nachbacken.. 😀

      Herzlichst,
      Sonja