Der Mürbeteig für Boden und Streusel
Mürbeteig und Streuselteig sind dasselbe. Mehl, Zucker, Butter, dazu bei mir noch ein Ei und ein wenig Backpulver. Der Unterschied liegt allein darin, wie lange du knetest.
Knetest du weiter, bis ein Klumpen entsteht, hast du Mürbeteig. Hörst du auf, solange es krümelt, hast du Streusel. Deshalb kannst du beides aus einer Schüssel machen, und deshalb bleibt nichts übrig.
Zwei Drittel des Teigs drückst du als Boden in die Form und ziehst einen kleinen Rand hoch. Das letzte Drittel stellst du kalt und krümelst es zum Schluss über die Früchte.
Die Butter muss kalt sein, und zwar bei beidem. Kalte Butterstückchen schmelzen im Ofen und hinterlassen kleine Hohlräume, das macht Mürbeteig mürbe und Streusel knusprig. Weiche Butter verbindet sich zu früh mit dem Mehl, dann wird der Boden hart statt mürbe und die Streusel zerlaufen zu einer Decke.
Das Ei und das Backpulver sind kein Widerspruch zum Mürbeteig. Das Ei gibt dem Boden Stabilität, damit er unter den Früchten nicht bricht. Das Backpulver macht die Streusel etwas luftiger, statt sie kompakt werden zu lassen.
Vorbacken musst du den Boden nicht. Das lohnt sich nur bei richtig nassen Belägen, bei einer Quarkmasse zum Beispiel. Hier reicht es, ihn fest anzudrücken und mit Nüssen abzudecken.

Warum die Zwetschgen roh auf den Boden kommen
Zwetschgen ziehen Saft. Viel Saft. Auf einem Mürbeteigboden ist das heikler als bei Hefeteig, weil er weniger davon wegsteckt.
Manche kochen die Früchte deshalb vorher ein und geben das abgekühlte Kompott auf den Boden. Funktioniert auch gut, macht aber mehr Arbeit und dauert länger. Mir ist persönlich etwas mehr Biss lieber, und ich mag es, wenn man beim angeschnittenen Kuchenstück noch die Früchte erkennt.
Damit der Boden trotzdem hält, mache ich zwei Dinge:
Erstens an den Früchten: Auf 750 g entsteinte Zwetschgen kommen brauner Zucker, Zimt und ein Esslöffel Speisestärke. Die Stärke bindet den Saft dort, wo er entsteht.
Zweitens auf dem Boden: zwei bis drei Esslöffel gemahlene Haselnüsse oder Mandeln, bevor die Früchte daraufkommen. Das ist die traditionelle Datschi-Methode, und geschmacklich passen für mich Nüsse oder Mandeln besser zu Zwetschgen als Semmelbrösel.
Halbieren, entsteinen, die Hälften noch einmal der Länge nach halbieren. Dann kommen sie mit Zucker, Zimt und Stärke in eine Schüssel und werden kurz durchgemischt.
Und dann verteilst du sie einfach auf dem Boden, fertig. Beim Datschi lege ich die entsteinten Zwetschgen ordentlich geschichtet auf den Teig, dort sieht man sie ja auch eher. Bei diesem Kuchen siehst du unter der Streuseldecke nicht, wie ordentlich die Zwetschgen lagen.
Ich habe es einmal ohne beides gemacht, mit sehr saftigen Zwetschgen. Am nächsten Tag war der Boden durchgeweicht und matschig. Seitdem lasse ich die Stärke und die Nüsse nicht mehr weg.

Backen und woran du siehst, dass er fertig ist
Bei mir backt er 45 Minuten im unteren Drittel, mit 160 Grad Heißluft. Alternativ gehen auch 180 Grad Ober-/Unterhitze.
Heißluft nutze ich gerne bei Obstkuchen mit viel Feuchtigkeit. Sie trägt das Wasser ab, das aus den Früchten kommt, und die Streusel werden schön knusprig. Beim Datschi mache ich es genauso.
Daran erkennst du, dass der Zwetschgenkuchen mit Mürbeteig fertig ist: Die Streusel sind goldbraun, nicht nur hell. Der Rand löst sich leicht von der Form. Der Saft zwischen den Früchten blubbert nicht mehr, sondern glänzt nur noch.
Dann mindestens eine Viertelstunde in der Form stehen lassen, bevor du den Rand löst. So kann sich der Kuchen setzen. Warm ist der Boden noch weich und bricht leicht.

Mein Tipp
Werden die Streusel dunkel, bevor der Boden durch ist, deck den Kuchen locker mit Backpapier ab. Das passiert vor allem, wenn die Form zu weit oben steht und du mit Ober-/Unterhitze bäckst.

Vorbereiten, aufbewahren und einfrieren: so mach ich es immer
Den Teig kannst du am Vortag machen. In Folie gewickelt hält er sich zwei Tage im Kühlschrank. Nimm ihn eine halbe Stunde vorher raus, kalt lässt er sich schlecht andrücken.
Die Zwetschgen schneidest du erst am Backtag. Geschnitten ziehen sie Wasser und werden mit der Zeit braun.
Den Kuchen am Vortag zu backen geht auch. Lass ihn dafür vollständig auskühlen, bevor du ihn abdeckst, sonst schwitzt er und die Streusel werden schneller weich.
Aufbewahren: Abgedeckt, aber nicht luftdicht hält er sich bei Raumtemperatur 2 Tage. Danach weicht der Boden unter den Früchten langsam durch, gegessen ist er bis dahin meistens ohnehin. Im Kühlschrank hält er ein bis zwei Tage länger, dafür wird die Butter im Boden fest. Nimm ihn dann rechtzeitig heraus.
Häufige Fragen
Nein. Die gemahlenen Mandeln oder Nüsse binden den Saft und der Boden wird fest angedrückt, das reicht. Blindbacken lohnt sich nur bei sehr feuchten Belägen wie Quark oder Puddingguss.
Meist fehlt der Saftbinder, entweder die Speisestärke an den Früchten oder die gemahlenen Nüsse auf dem Boden. Der zweite häufige Grund sind dünne Stellen im Boden: Dort weicht er zuerst durch, deshalb lohnt es sich, ihn gleichmäßig festzudrücken.
Zwetschgen sind fester, länglicher und lassen sich leichter entsteinen. Pflaumen sind runder, saftiger und süßer. Botanisch ist die Zwetschge eine Unterart der Pflaume, deshalb heißt der Kuchen in vielen Familien einfach Pflaumenkuchen. Für einen Pflaumenkuchen mit Mürbeteig funktioniert dasselbe Rezept, du brauchst nur etwas mehr Saftbinder.
Ja, dafür verdoppelst du die Menge. Die Backzeit verkürzt sich etwas, weil der Kuchen flacher wird. Für andere Formgrößen nutz gern meinen Backformen-Umrechner.
Ja, genau das ist dieses Rezept. Der Boden besteht aus Mürbeteig, es gibt keine Gehzeit und kein Warten. Wenn du die Hefeteig-Variante suchst, findest du sie bei mir als Zwetschgendatschi vom Blech. Der schmeckt anders, lockerer und leichter, braucht dafür aber ein paar Stunden Vorlauf.
Ein Stück hat etwa 314 kcal, bei zwölf Stücken aus der 26er Form. Der größte Anteil kommt aus Butter und Zucker im Teig, die Zwetschgen selbst tragen wenig bei.
Ja, in Stücken. Zum Auftauen bei 150 Grad etwa zehn Minuten in den Ofen, dann sind die Streusel wieder knusprig.
Zwetschgenkuchen, wie er bei uns auf den Tisch kommt
Ich backe ihn, wenn es einfach gehen soll, wenn spontan Besuch kommt, oder wenn die Zwetschgen verarbeitet werden müssen und ich keine Zeit für Hefeteig habe. Das ist mein schnellster Zwetschgenkuchen. Ein Teig für Boden und Streusel, und ich brauche nicht so viele Eier wie für einen Rührteig. Schneller geht nur noch der Zwetschgen Crumble, der hat aber keinen Boden.
Der Teig im Detail: Streusel Grundrezept
Mit Hefeteig vom Blech: Zwetschgendatschi mit Hefeteig
Schneller aus Rührteig: Saftiger Zwetschgenkuchen mit Streusel
Alle Zwetschgenrezepte: meine Zwetschgen und Pflaumen Rezepte











