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Brot und Brötchen formen

Das Formen entscheidet mehr über dein Brot, als die meisten denken. Es baut die Spannung auf, die dem Teigling im Ofen Stand gibt, einen gleichmäßigen Trieb ermöglicht und am Ende über die Form entscheidet. Ich habe lange gebraucht, bis meine Laibe nicht mehr breit liefen, und der Knackpunkt war fast immer das Formen, nicht das Rezept. In diesem Beitrag zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du Teiglinge rundwirkst, länglich formst, Brötchen und Baguettes formst und einen Hefezopf flechtest.

Inhalt

Warum das Formen so wichtig ist

Beim Formen spannst du die Oberfläche des Teiglings. Diese Oberflächenspannung ist das Grundprinzip, das alle Techniken verbindet. Eine straffe, geschlossene Oberfläche hält die Gärgase im Inneren, gibt dem Teigling Stabilität und sorgt dafür, dass er im Ofen nach oben treibt statt in die Breite zu laufen.

Drei Dinge entstehen durch gutes Formen:

Wenn ein Brot breit läuft, blass bleibt oder unkontrolliert aufreißt, liegt es oft nicht am Rezept, sondern an zu wenig Spannung beim Formen.

Misch- & Roggenbrote

https://youtu.be/QSx3Js14JUU

Zu viel Mehl, keine Spannung Der häufigste Anfängerfehler beim Wirken ist zu viel Mehl auf der Arbeitsfläche. Der Teig rutscht dann nur und kann keine Spannung aufbauen. Du brauchst etwas Grip zwischen Teig und Fläche. Lieber fast ohne Mehl arbeiten und die Hände bei klebrigem Teig leicht befeuchten.

Teiglinge rundschleifen

Das Rundschleifen, auch Rundwirken genannt, ist die Basistechnik beim Formen. Du bringst den Teigling in eine gleichmäßige Kugel und baust dabei Spannung an der Oberfläche auf. Ob daraus am Ende ein runder Laib, ein Brötchen oder die Vorstufe für eine längliche Form wird, jede dieser Formen beginnt mit einem sauber rundgeschliffenen Teigling.

Beim Schleifen passieren zwei Dinge gleichzeitig. Die Oberfläche wird glatt und geschlossen, und im Inneren spannt sich das Teiggerüst. Diese Spannung hält die Gärgase im Teigling, gibt ihm Stand während der Gare und lässt ihn im Ofen nach oben treiben statt breitzulaufen. Eine glatte, gespannte Oberfläche ist also keine Optik-Frage, sondern die Voraussetzung für eine gleichmäßige Krume.

So schleifst du einen Teigling rund

Leg das vorportionierte Teigstück auf die nur leicht bemehlte Arbeitsfläche. Zu viel Mehl ist ein häufiger Fehler, dann rutscht der Teig und kann keine Spannung aufbauen. Du brauchst etwas Grip zwischen Teig und Fläche. Leg die hohle Hand über den Teigling und zieh ihn in kreisenden Bewegungen über die Fläche. Der Teig dreht sich unter deiner Hand, die Unterseite zieht sich zusammen, oben entsteht die straffe, glatte Haut.

https://youtu.be/HuNGR9Oxvug

Achte auf den Druck. Drückst du zu fest, reißt die Oberfläche auf und du zerstörst die Struktur, die du gerade aufbaust. Drückst du zu zaghaft, baut der Teigling keine Spannung auf und läuft später breit. Der richtige Druck liegt dazwischen: fest genug, dass der Teig greift, sanft genug, dass die Haut nicht reißt. Das Gefühl dafür kommt nach ein paar Teiglingen von allein.

Brötchen rundschleifen

Brötchen schleifst du im Prinzip wie kleine runde Laibe, nur schneller und in Serie. Teile den Teig in gleich große Stücke und schleife jedes mit der hohlen Hand rund, bis eine straffe Oberfläche entsteht.

Mein Tipp: Wieg die Teiglinge gleich schwer ab und arbeite mit gleichmäßigem Druck, dann backen die Brötchen gleichmäßig und werden gleich groß. Kleine Teiglinge, die glatt und prall in den Ofen sollen, schneide ich nicht ein. Sie reißen bei guter Stückgare von selbst kontrolliert auf.

Rosinenbrötchen rund formen und mit Spannung rundschleifen.

Nach dem Schleifen: kurz entspannen lassen

Direkt nach dem Rundschleifen ist der Teig straff und zieht sich zusammen. Würdest du ihn jetzt weiterformen, würde er reißen oder zurückspringen. Gönn ihm darum eine kurze Pause, die Ballengare, meist 15–20 Minuten abgedeckt. In dieser Zeit entspannt sich das Klebergerüst und du bringst den Teigling anschließend leichter in seine endgültige Form. Mehr dazu im Abschnitt zur ➔ Ballengare.

Reife Teiglinge für Dampfnudeln.

Den Teigschluss verstehen

Der Teigschluss ist die Naht, die beim Formen entsteht, dort wo sich der Teig unten zusammenzieht. Wo dieser Schluss bei der Stückgare und beim Backen liegt, entscheidet darüber, wie dein Brot aufreißt.

Ein gut geschlossener Teigschluss ist wichtig, damit der Teigling die Spannung hält und nicht an der Naht aufplatzt, bevor du es möchtest.

Teiglinge aus Hefeteig für Berliner rundschleifen.

Runden Brotlaib formen

Beim runden Laib ziehst du den Teig von außen zur Mitte und drehst ihn dann unter Spannung rund. Je nach Teig gehst du unterschiedlich vor:

Ein gut geschlossener Teigschluss ist wichtig, damit der Teigling die Spannung hält und nicht an der Naht aufplatzt, bevor du es möchtest.

Weizen- und Mischbrote

Mittelfeste bis weiche Teige

Roggenteig oder mit hohem Roggenanteil

Länglichen Brotlaib formen

Für den länglichen Laib (Bâtard) formst du den Teig erst grob rund vor, lässt ihn kurz entspannen und rollst ihn dann unter Spannung lang. Den Teigling flach drücken, von oben zur Mitte einschlagen, dann von unten aufrollen und die Naht gut verschließen. Die Enden leicht ausrollen, falls du sie spitzer magst.

Bei festen und mittelfesten Teigen gelingt das am besten. Sehr weiche Teige brauchen manchmal eine kurze Zwischengare und eine behutsame Hand.

Misch- & Roggenbrote

Baguettes formen

Für Baguettes formst du rechteckige Teiglinge vor, lässt sie kurz entspannen und rollst sie dann unter Spannung zu langen Stangen aus. Den Teig flach drücken, von oben einschlagen, von unten aufrollen, die Naht verschließen und dann mit beiden Händen von der Mitte nach außen auf Länge rollen.

Wichtig ist eine kurze Zwischengare zwischen Vorformen und Auslängen, sonst zieht sich der Teig zurück. Mehr zum kompletten Ablauf in meinen Baguette-Rezepten: Französisches Baguette, Sauerteig-Baguette und Rustikales Baguette.

https://youtu.be/KVzrU5g1wU8

Hefezopf flechten

Für einen Hefezopf teilst du den Teig in gleich schwere Stränge und rollst sie gleichmäßig lang. Achte darauf, dass die Stränge in der Mitte etwas dicker und an den Enden dünner sind, dann wirkt der Zopf gleichmäßig.

Die Enden gut verschließen und unterklappen, damit der Zopf beim Gehen und Backen nicht aufgeht.

https://youtu.be/z1EztymJBYAhttps://youtu.be/hiEJJnxM3zchttps://youtu.be/XH_8qiQiysQ

Häufige Fehler beim Formen

Die Enden gut verschließen und unterklappen, damit der Zopf beim Gehen und Backen nicht aufgeht.

Spannung fühlen lernen Ein gut geformter Teigling fühlt sich straff an wie ein praller kleiner Ballon und behält seine Form, wenn du ihn kurz stehen lässt. Sackt er sofort in sich zusammen, fehlt Spannung. Das Gefühl dafür kommt mit der Übung, nach ein paar Backtagen hast du es im Griff.

Welche Form für welches Gärkörbchen?

Die Form des Teiglings und das Gärkörbchen müssen zusammenpassen: ein runder Laib kommt ins runde Körbchen, ein länglicher ins ovale (Bâtard-Körbchen). Wer noch kein Gärkörbchen hat, kann auch eine mit einem bemehlten Tuch ausgelegte Schüssel nehmen. Für den Einstieg reicht das völlig.