Was diese Apfelweintorte ausmacht
Drei Schichten, die zusammen etwas ergeben, das keine für sich hinbekommt.
Der Mandel-Mürbeteig gibt den Biss. Die gemahlenen Mandeln machen ihn mürber als einen reinen Butterteig und bringen eine Note mit, die zum Wein passt.
Die Weinfüllung ist das Herzstück. Äpfel und Wein werden mit Vanillepudding gebunden und mitgebacken, dadurch wird die Füllung schnittfest und behält trotzdem ihre Frucht. Der Wein bringt Säure und Tiefe, die reiner Apfelsaft nicht liefert.
Die Schmand-Sahne-Creme ist der kühle Gegenpol. Sie kommt erst auf die vollständig ausgekühlte Torte und wird mit Zimt bestreut. Die meisten Rezepte nehmen an dieser Stelle nur geschlagene Sahne. Ich mische sie mit Schmand, zu gleichen Teilen. Die Füllung ist gekocht, gebunden und durch Wein und Calvados warm im Geschmack. Reine Sahne verlängert das nur, der Schmand setzt etwas Frisches dagegen. Und er macht die Creme standfester, was praktisch ist, wenn die Torte über Nacht im Kühlschrank steht.
Welchen Wein nehme ich?
Der Name führt manchmal in die Irre. Der Kuchen heißt vielerorts Apfelweintorte, gemeint ist damit Apfel und Wein. Ob du trockenen Weißwein nimmst oder tatsächlich Apfelwein, ist dir überlassen, beides ist verbreitet.
Klassisch ist ein trockener Weißwein. Er bringt Säure und eine leichte Herbe, die gegen die Süße der Äpfel arbeitet. Ein einfacher Wein reicht völlig, du musst keine gute Flasche opfern.
Ich nehme gern Cidre, das ist mein eigener Dreh an dem Rezept. Er macht die Torte noch einmal feiner, ist aber kein Muss.
Apfelwein und Cidre sind nicht dasselbe
Beide entstehen aus vergorenem Apfelsaft, aber die Gärung läuft unterschiedlich weit. Daraus folgt alles Weitere.
Deutscher Apfelwein gärt vollständig durch. Der Fruchtzucker verwandelt sich komplett in Alkohol, deshalb schmeckt er herb und trocken und liegt bei etwa 5 bis 7 Prozent. Kohlensäure hat er keine.
Beim Cidre wird die Gärung früher gestoppt. Ein Teil des Fruchtzuckers bleibt erhalten, deshalb schmeckt er milder und fruchtiger. Er hat mit 2 bis 4,5 Prozent deutlich weniger Alkohol, und die Kohlensäure entsteht dabei in der Flasche.
Für die Torte heißt das: Mit Apfelwein wird die Füllung herber, dann kannst du etwas mehr Zucker nehmen. Mit Cidre bleibt sie süßer und fruchtiger, und die Weinnote ordnet sich dem Apfel unter. Mit Weißwein bekommt die Torte einen zweiten Geschmack neben dem Apfel, sie wird komplexer und ein bisschen erwachsener.
Und was ist Calvados? Calvados ist Apfelbranntwein aus der Normandie, gebrannt aus Cidre und im Fass gereift. Im Kuchen bringt er Tiefe, die weder Wein noch Apfelsaft liefern.
Die Schmand-Sahne-Creme
Die Creme besteht aus Schmand und geschlagener Sahne zu gleichen Teilen. Beides zusammen, weil jedes für sich nicht funktioniert: Sahne allein ist zu süß und zu leicht, Schmand allein zu fest und zu sauer.
Der Schmand bringt die Säure, die zur süßen Weinfüllung passt. Die Sahne bringt die Luftigkeit, die den Kontrast zur dichten Füllung schafft. So schmeckt es mir am besten, du kannst aber auch den Schmand auch 1:1 durch Sahne ersetzen, wenn du das lieber magst.
Sahnesteif ist hier kein Notbehelf, sondern nötig. Die Creme steht mehrere Stunden auf der Torte, oft über Nacht, und ohne Stabilisator setzt sie sich ab.
Erst auf die kalte Torte: Die Creme kommt erst auf die vollständig ausgekühlte Torte. Auf einen warmen Kuchen gegeben schmilzt sie und rutscht ab. Wenn du unsicher bist, fass den Boden der Form an: Ist er noch handwarm, warte länger.
Wenn etwas schiefgeht
Vier Dinge können bei dieser Torte schieflaufen. Drei davon sind mir selbst passiert.
Die Füllung wird nicht fest
Das war mein größter Fehler. Ich hatte Äpfel aus dem Garten genommen, eine besonders saftige Sorte, und die Füllung wurde einfach nicht schnittfest. Seitdem achte ich auf die Sorte: fest und säuerlich, nicht die weichen, saftigen.
Wenn du nur eine saftige Sorte zur Hand hast, lass die geschnittenen Äpfel vorher eine Weile mit etwas Zucker ziehen und gieß den Saft ab. Dann bringen sie weniger Flüssigkeit in den Kuchen.
Die anderen Ursachen:
Zu wenig Bindung. Als Faustregel gilt mindestens zwei Päckchen Puddingpulver auf 750 ml Flüssigkeit.
Nicht richtig aufgekocht. Das Puddingpulver muss sprudelnd aufkochen, sonst entfaltet die Stärke ihre Bindekraft nicht. Einmal kurz erhitzen reicht nicht.
Zu früh angeschnitten. Die Füllung wird erst beim Auskühlen fest.
Die Sahne wird flockig
Auch das ist mir passiert. Ich habe kurz nicht aufgepasst und die Sahne zu lange geschlagen. Dann trennt sie sich, wird körnig und lässt sich nicht mehr retten.
Bleib beim Schlagen dabei und hör auf, sobald die Sahne steht. Der Übergang von steif zu flockig geht schneller, als man denkt, gerade mit der Küchenmaschine.
Die Torte löst sich nicht vom Boden
Mein dritter Fehler. Einmal klebte der Mürbeteig am Springformboden fest, und die Torte ließ sich nicht sauber lösen.
Seitdem lege ich den Boden immer mit Backpapier aus, bevor ich den Ring einspanne. Das kostet zehn Sekunden und erspart das Problem komplett.
Den Rand löst du erst nach dem vollständigen Erkalten, mit einem scharfen Messer und einmal rundherum.
Der Mürbeteigrand rutscht ab
Das ist mir bisher nicht passiert, es kommt aber vor.
Zu viel Fett an der Form. Am Rand rutscht der Teig auf dem Fett nach unten. Den Rand deshalb nicht einfetten oder nur ganz dünn.
Teig zu warm. Zu weiche Butter verflüssigt sich im Ofen, bevor der Teig Stand entwickelt. Gut gekühlt verarbeiten.
Rand zu dünn. Lieber etwas dicker lassen. Am besten formst du eine dünne Rolle und drückst sie am Rand hoch.

Vorbereiten und aufbewahren
Diese Torte muss vorbereitet werden, das ist keine Empfehlung, sondern eine Voraussetzung. Die Füllung wird erst beim vollständigen Auskühlen schnittfest, und die Creme kommt erst danach obendrauf.
So mache ich es: Torte am Vortag backen und über Nacht auskühlen lassen, die Creme erst am Serviertag aufschlagen und aufstreichen.
Gekühlt hält sie sich danach noch ein bis zwei weitere Tage. Durch die Schmand-Sahne-Creme gehört sie in den Kühlschrank, abgedeckt.
Häufige Fragen
a, das mache ich selbst regelmäßig. Beide bestehen aus vergorenem Apfelsaft und funktionieren in der Füllung genauso.
Der Unterschied liegt in der Gärung: Deutscher Apfelwein ist durchgegoren, also herb und still. Beim Cidre wird die Gärung früher gestoppt, deshalb ist er fruchtiger, spritzig und leichter im Alkohol.
Beim Zucker heißt das: Mit Apfelwein kannst du etwas mehr nehmen, weil er herber ist. Bei einem süßen Cidre eher etwas weniger.
Mit Licor 43 oder Amaretto, beides steht in meiner Zutatenliste als Alternative. Ohne Alkohol nimmst du Apfelsaft. Der Kuchen wird dann etwas flacher im Geschmack, funktioniert aber.
Cidre ist vergorener Apfelsaft, also ein Wein. Calvados wird daraus gebrannt und im Fass gereift, er ist ein Branntwein mit deutlich mehr Alkohol. In der Torte übernehmen beide verschiedene Aufgaben: Der Cidre steckt in der Füllung, der Calvados gibt die Tiefe.
Ja, problemlos. Die Torte funktioniert auch ohne, dann ist sie schlichter und schmeckt stärker nach der Weinfüllung. Eine Leserin macht es so.
Jonagold, Elstar oder Cox Orange, am liebsten gemischt. Wichtig ist, dass sie fest und säuerlich sind. Was nicht funktioniert, sind sehr saftige Sorten. Ich habe einmal Äpfel aus dem Garten genommen, und die Füllung wurde nicht fest, weil zu viel Flüssigkeit hineinkam. Mehr zu den Sorten steht in meinem Guide Welche Äpfel für Apfelkuchen.
Weizenmehl Type 405 oder Dinkelmehl Type 630. Ein Vollkornanteil geht auch, eine Leserin hat mit Dinkelvollkorn gebacken. Der Mürbeteig ließ sich dann schwerer verarbeiten, das Ergebnis war gut.
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Für den schnellen Sonntag ohne Kühlzeit gibt es den Apfelkuchen mit Schmand aus Rührteig. Wenn es gedeckt sein soll, den gedeckten Apfelkuchen. Und wer es knuspriger mag, nimmt den Apfelkuchen mit Streusel.







9 Kommentare
Sieglinde Friedemann
Liebe Sonja,
welche Apfelsorte kannst Du besonders empfehlen?
Grüße Sieglinde
cookieundco
Liebe Sieglinde,
ich verwende für Kuchen gerne Jonagold, Elstar oder Cox-Orange. Besonders gerne auch gemischt, je nachdem was erhältlich ist. Aus dem Garten verwende ich was gerade da ist- aber auch da finde ich gemischte Sorten am leckersten.
Herzliche Grüße,
Sonja
alexandra
Liebe Sonja,kann ich bei dem Apfelkuchen auch den Schmand weglassen?Lg Alex
cookieundco
Ja kannst du problemlos machen! LG Sonja
sieglinde friedemann
liebe Sonja,,
mit welchem Mehl backst du diesen Apfelkuchen?
Grüße Sieglinde
cookieundco
Liebe Sieglinge,
normalerweise mit Weizenmehl Type 405 oder auch mal Dinkel Type 630.
Ein Vollkornanteil ginge nach Belieben auch.
Aber mit “Kuchenmehl” (Weizen Type 405) wird der Teig schön zart und Mürbe finde ich.
Herzlichst,
Sonja
INESG
Der Apfelkuchen sieht sehr gut aufgeschnitten aus und schmeckt auch so gut wie er aussieht.
Akini
Habe die Torte jetzt schon zwei Mal gebacken – einfach ein Gedicht!
(Meine Cousine hat sich die Torte gleich zu ihrem Geburtstag von mir gewünscht) 😄
Statt Weizenmehl hab ich beide Male Dinkelvollkornmehl genommen – Mürbteig ist zwar etwas schwieriger zu verarbeiten, zahlt sich aber aus (ist gesünder und schmeckt wunderbar). Vielen, vielen Dank für das großartige Rezept!👍👏
Sonja
Hallo,
das freut mich wirklich riesig!
Viele liebe Grüße
Sonja