So setzt du Mirabellenlikör an
Im Grunde ist Mirabellenlikör kein kompliziertes Rezept, sondern eine Frage von Geduld. Du entsteinst die Mirabellen, schichtest sie mit Kandiszucker und Vanille in ein sauberes Glas und übergießt alles mit Alkohol. Dann kommt der wichtigste Teil: mindestens vier Wochen dunkel und kühl stehen lassen, besser acht Wochen oder länger. Je länger er zieht, desto runder wird der Geschmack.
Ich rühre oder schüttle das Glas alle paar Tage einmal durch, damit sich der Zucker gleichmäßig löst. Mit der Vanille bekommt der Likör mit der Zeit eine schöne bernsteinfarbene Tönung. Danach seihst du ihn ab und füllst ihn in saubere Flaschen. Fertig ist ein Likör, der sich monatelang hält und ein gutes Geschenk aus der Küche abgibt.
Warum macht man aus Zwetschgenkernen dann Amaretto? Die Mandelnote stammt von genau dem Amygdalin, das auch in Mirabellenkernen sitzt. Der Unterschied ist die Methode: Für Amaretto werden die Kerne sauber gelöst, getrocknet und kontrolliert verarbeitet, kommerziell wird die Blausäure technisch entfernt. Ganze Früchte, die monatelang im Glas ziehen, sind etwas anderes. Magst du die Marzipannote, nimm ein fertiges, blausäurefreies Bittermandelaroma sehr sparsam. Von echtem Bittermandelöl würde ich die Finger lassen, das enthält je nach Sorte selbst Blausäure.
Welcher Alkohol und Zucker passen
Beim Alkohol hast du freie Wahl, solange er hochprozentig genug ist. Ich nehme meist neutralen Wodka, weil er den Mirabellengeschmack nicht überdeckt. Korn funktioniert genauso und schmeckt etwas weicher. Weißer Rum bringt eine leichte Süße mit, die gut zu Steinobst passt. Welche Marke oder Sorte du nimmst, ist eher eine Frage des Geschmacks als eine Regel.

Mein Tipp
Nimm einen Alkohol mit mindestens 38 Prozent. Darunter reicht die Stärke nicht sicher aus, um den Likör über Monate haltbar zu halten.
Beim Zucker verwende ich weißen Kandis, der löst sich langsam und gleichmäßig. Brauner Kandis geht auch, dann wird der Likör etwas dunkler, geschmacklich macht es kaum einen Unterschied. Normaler Haushaltszucker sollte ebenfalls klappen, so wie beim Rumtopf. Das habe ich selbst nicht ausführlich getestet, aber ich sehe keinen Grund, warum es nicht funktionieren sollte. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, bleib beim Kandis.
Mirabellenlikör mit anderen Früchten
Das Schöne an diesem Grundrezept ist, dass es mit fast jedem Steinobst funktioniert. Zwetschgen sind eine gute Wahl, wenn die Mirabellensaison vorbei ist. Eine Zimtstange dazu, und du hast einen wärmeren, herbstlichen Likör. Auch Kirschen, Pflaumen oder Aprikosen kannst du genauso ansetzen.
Vielleicht kennst du die Mirabelle auch unter einem anderen Namen. Als Kriecherl in Österreich und Bayern, als Spilling im Norden oder als Zibärtle im alemannischen Raum. Botanisch sind das teils eigene kleine Pflaumenarten, verwandt mit der Mirabelle. Für den Likör kannst du sie alle gleich behandeln: waschen, entsteinen, ansetzen. Hier findest du mehr aus der Kategorie: Getränke, Sirup und Likör
Mirabellen, Marillen und Kriecherl: was ist was
Mirabelle und Marille klingen ähnlich und sehen sich auf den ersten Blick auch nicht unähnlich. Der Unterschied liegt vor allem im Geschmack und in der Schale. Marille ist im süddeutschen Raum und in Österreich das Wort für Aprikose. Die Oberfläche einer Marille ist weich und leicht pelzig. Mirabellen dagegen haben eine glatte, feste Haut wie kleine Pflaumen.
Und genau das sind sie: Mirabellen gehören zur Familie der Pflaumen, kleine gelbe Früchte mit roten Sprenkeln, ursprünglich aus Asien. Hauptsaison ist bei uns zwischen August und September. Ihr festes Fruchtfleisch löst sich leicht vom Kern, der Geschmack reicht von intensiv süß bis süß-säuerlich. Traditionell macht man daraus Schnaps oder Likör, sie eignen sich aber auch für Marmelade, Gelee und Chutney.
Häufige Fragen zu Mirabellenlikör
Neutraler Wodka, Korn oder weißer Rum funktionieren alle. Wichtig ist, dass der Alkohol mindestens 38 Prozent hat, damit der Likör haltbar bleibt. Welche Sorte du nimmst, ist Geschmackssache.
Ich setze den Likör mit weißem Kandis an. Normaler Haushaltszucker sollte aber genauso gehen, ähnlich wie beim Rumtopf. Ausführlich getestet habe ich es nicht, wenn du sichergehen willst, bleib beim Kandis.
An einem dunklen, kühlen Ort. Ein Keller ist ideal. Wichtig ist nur, dass kein direktes Licht drankommt, damit Farbe und Aroma erhalten bleiben.
Durch den hohen Alkohol- und Zuckergehalt hält er sich viele Monate, bei sauberer Abfüllung auch über ein Jahr. In heiß ausgespülte Flaschen füllen und kühl lagern.
Ja. Das Grundrezept funktioniert mit Zwetschgen, Kirschen, Aprikosen und anderen Steinfrüchten. Bei herbstlichen Früchten passt eine Zimtstange gut dazu.
Nein, ich entsteine immer. In den Kernen steckt Amygdalin, aus dem sich beim langen Ziehen Blausäure lösen kann, besonders wenn ein Stein angeschlagen ist. Entsteint bekommst du einen sauberen Geschmack und bist auf der sicheren Seite.
Wegwerfen musst du sie nicht. Die durchgezogenen Früchte schmecken als Topping auf Eis, Desserts oder Crêpes, ähnlich wie Rumtopf.






7 Kommentare
Sandra Will
Darf der dunkle Ort kalt sein (Keller)
Oder muss es warm sein?
cookieundco
Keller ist super! 🙂
Steffi
Nimmst du den hellen oder dunklen Kandiszucker?
Muss es weißer Rum sein oder würde auch Havana Especial gehen?
Liebe Grüße und schon mal Danke für die Antwort.
Gruß Steffi
cookieundco
Liebe Steffi,
im Rezept hatte ich weißen Kandiszucker. Brauner ist auch kein Problem, der Likör wird nur bräunlich dann.
Bei Beeren oder dunkleren Früchten schadet das nichts. Bestimmt sehr lecker. Eher eine Frage der Optik, ebenso mit dem Rum.
Viele Grüße,
Sonja
Andreas
Danke für dieses tolle Rezept 😀 Werde ich gleich so versuchen nachzumachen.
Muss nur noch warten bis unser MIrabellenbaum im Garten wieder ordentlich Früchte trägt 😀
Anonym
Kann man auch normalen Zucker nehmen ?
cookieundco
Das sollte auch klappen! Der andere ist zwar üblich, aber würde es so probieren. Rumtopf funktioniert ja auch mit normalem Zucker.